Familienrecht: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Paragraphenreiter.wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
 
(32 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 4: Zeile 4:
 
== Allgemeines ==
 
== Allgemeines ==
  
* Warum Ehe?
+
* Ritual, Feierlichkeit, Außenwirkung
** Ritual, Feierlichkeit, Außenwirkung
+
* Wirkungen der Ehe: Rechte und Pflichten
** Wirkungen der Ehe: Rechte und Pflichten
+
** Ehegattensplitting (§ 32a V EStG)
*** Ehegattensplitting (§ 32a V EStG)
+
** Freibeträge bei der Erbschaft-/Schenkungssteuer (§ 16 I ErbStG)
*** Freibeträge bei der Erbschaft-/Schenkungssteuer (§ 16 I ErbStG)
+
** Zeugnisverweigerungsrecht (§ 383 I Nr. 1 ZPO, § 52 I Nr. 1 StPO)
*** Zeugnisverweigerungsrecht (§ 383 I Nr. 1 ZPO, § 52 I Nr. 1 StPO)
 
  
 
== Verlöbnis ==
 
== Verlöbnis ==
 +
[[Datei:Verlobung Frau und Mann - mit Ringtausch - und Treue Verlobungsversprechen - Dresden - Bild 009.jpg|mini|Verlobung]]
  
 
=== Rechtsnatur ===
 
=== Rechtsnatur ===
Zeile 17: Zeile 17:
 
*§§ 1297-1302 BGB
 
*§§ 1297-1302 BGB
 
*Heiratsversprechen, Vorvertrag/Vertrag ''sui generis''
 
*Heiratsversprechen, Vorvertrag/Vertrag ''sui generis''
*'''unverbindlich''', Zweck daher: Rückabwicklung gescheiterter Verlöbnisse
+
*'''unverbindlich''' (nicht einklagbar gem. § 1297 I BGB), Zweck daher: Rückabwicklung gescheiterter Verlöbnisse
*Verlöbnis trotz bestehender Ehe: sittenwidrig (SE gem. §§ 1299, 1298 BGB analog)
+
*Verlöbnis trotz bestehender Ehe: sittenwidrig (Schadensersatz gem. §§ 1299, 1298 BGB analog)
 
*Kranzgeld (weggefallener § 1300 BGB): Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen.
 
*Kranzgeld (weggefallener § 1300 BGB): Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen.
 
*<code>Verlöbnis Minderjähriger</code>: §§ 106, 110 BGB
 
*<code>Verlöbnis Minderjähriger</code>: §§ 106, 110 BGB
 +
*Verlobte sind Angehörige i.S.d. § 11 I Nr. 1a StGB (zeugnisverweigerungsberechtigt)
 
{| class="wikitable"
 
{| class="wikitable"
 
!Tatsächlichkeitstheorie
 
!Tatsächlichkeitstheorie
Zeile 27: Zeile 28:
 
|-
 
|-
 
|tatsächliches Phänomen des sozialen Lebens, Zustandekommen durch Konsens im natürlichen Willen, lediglich Einsichtsfähigkeit erforderlich (Unverbindlichkeit, aber: Konsequenzen aus §§ 1298-1301 BGB)
 
|tatsächliches Phänomen des sozialen Lebens, Zustandekommen durch Konsens im natürlichen Willen, lediglich Einsichtsfähigkeit erforderlich (Unverbindlichkeit, aber: Konsequenzen aus §§ 1298-1301 BGB)
|gewöhnlicher bürgerlich-rechtlicher Vertrag, Austausch von Willenserklärungen, Geschäftsfähigkeit (rechtssichere Handhabung, fehlende Klagbarkeit, federzeitige einseitige Lösungsmöglichkeit, aber: Minderjährige im Zweifel schutzlos)
+
|gewöhnlicher bürgerlich-rechtlicher Vertrag, Austausch von Willenserklärungen, Geschäftsfähigkeit (rechtssichere Handhabung, fehlende Klagbarkeit, jederzeitige einseitige Lösungsmöglichkeit, aber: Minderjährige im Zweifel schutzlos)
 
|Schuldverhältnis i.S.d. § 311 II BGB, Regelungen der Rechtsgeschäftslehre kommen analog zur Anwendung, löst Problem der fehlenden primären Leistungspflicht, gewährleistet Schutz des zuwendenden Minderjährigen
 
|Schuldverhältnis i.S.d. § 311 II BGB, Regelungen der Rechtsgeschäftslehre kommen analog zur Anwendung, löst Problem der fehlenden primären Leistungspflicht, gewährleistet Schutz des zuwendenden Minderjährigen
 
|}
 
|}
  
 
=== Ersatz- und Rückforderungsansprüche===
 
=== Ersatz- und Rückforderungsansprüche===
 +
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
===='''Aufbauschema: Rückgabe der Geschenke gem. § 1301 BGB'''====
 +
<div class="mw-collapsible-content">
 +
1. '''Eheschließung unterbliebe'''n
  
*§ 1301 BGB: '''Rückgabe''' der Geschenke
+
2. Herausgabe nach den Regeln der '''ungerechtfertigten Bereicherung''', §§ 812 ff. BGB
**zum Zeichen des Verlöbnisses gemachte Zuwendung verliert später ihren Sinn
+
 
**h.M.: Sonderfall des Wegfalls der Geschäftsgrundlage, Rechtsfolgenverweis auf §§ 812 ff. BGB
+
* zum Zeichen des Verlöbnisses gemachte Zuwendung verliert später ihren Sinn
**Geschenk: teleologische Reduktion durch BGH (keine Anstandsgeschenke, kleinere Aufmerksamkeiten und Aufwendungen für die Deckung des gemeinsamen Bedarfs im Hier und Jetzt)
+
*h.M.: Sonderfall des Wegfalls der Geschäftsgrundlage, Rechtsfolgenverweis auf §§ 812 ff. BGB (Anwendbarkeit des § 815 Alt. 2 BGB: Verhinderung des Erfolgseintritts wider Treu und Glauben)
**Verlöbniszeichen (z.B. Verlobungsring): gem. §§ 133, 157 BGB (grds. enges Verständnis)
+
*Geschenk: teleologische Reduktion durch BGH (keine Anstandsgeschenke, kleinere Aufmerksamkeiten und Aufwendungen für die Deckung des gemeinsamen Bedarfs im Hier und Jetzt)
***
+
*Verlöbniszeichen (z.B. Verlobungsring): gem. §§ 133, 157 BGB (grds. enges Verständnis)</div></div><div class="toccolours mw-collapsible infobox">
1298 BGB: Ersatzpflicht beim '''Rücktritt''' vom Verlöbnis
+
===='''Aufbauschema: Ersatzpflicht beim Rücktritt vom Verlöbnis gem. §§ 1299, 1298 BGB'''====
**Anspruchsgrundlage für Schadensersatz, Ersatz von vergeblichen ("frustrierten") Aufwendungen, z.B. Ehering (Vertrauensschaden)
+
<div class="mw-collapsible-content">
***Anspruchsgrundlage § 1299 BGB bei '''Verschulden des anderen Teils'''
+
1. Wirksames '''Verlöbnis''' (korrespondierende Willenserklärungen)
**auch Dritte können sich auf § 1298 BGB berufen
+
 
**Gedanke des enttäuschten Vertrauens
+
*Rechtsnatur
**In Erwartung der Ehe: Kausalität, zeitliche Komponente, sachlicher Bezug
+
**Vertragstheorie (h.M.): Geschäftsfähigkeit (gewährleistet Rechtssicherheit Minderjähriger)
**Angemessenheit (Abs. 2): mit Einverständnis des Zurückgetretenen? Lebensstandardvergleich
+
**Familienrechtlicher Vertrag: Verlöbnisfähigkeit (geistige Reife)
**Abs. 3: Ausschluss bei wichtigem Grund
+
**Vertrauenstheorie: keine Geschäftsfähigkeit erforderlich
 +
*'''Doppelverlöbnis''': analoge Anwendbarkeit nach h.M. trotz bereits bestehender Ehe (Sittenwidrigkeit, § 138 I BGB)
 +
 
 +
2. '''Rücktritt''' eines Verlobten
 +
 
 +
3. durch den anderen Teil '''verschuldet'''
 +
 
 +
* wichtiger Grund
 +
 
 +
4. '''Rechtsfolge'''
 +
 
 +
* Ersatz von vergeblichen ("frustrierten") Aufwendungen, z.B. Ehering (Vertrauensschaden)
 +
</div></div>
 +
 
 +
==== Ersatzpflicht gem. § 1298 BGB ====
 +
 
 +
*auch '''Dritte''' können sich auf § 1298 BGB berufen
 +
*Gedanke des '''enttäuschten Vertrauens'''
 +
*in '''Erwartung''' '''der Ehe''': Kausalität, zeitliche Komponente, sachlicher Bezug
 +
*Angemessenheit (Abs. 2): mit Einverständnis des Zurückgetretenen? Lebensstandardvergleich
 +
*'''Ausschluss''' bei wichtigem Grund (Abs. 3)
  
 
==Eingehung der Ehe==
 
==Eingehung der Ehe==
 +
[[Datei:Wedding-rings.jpg|mini|Eheringe]]
  
 
=== Ehe als bürgerlichrechtlicher Vertrag===
 
=== Ehe als bürgerlichrechtlicher Vertrag===
Zeile 75: Zeile 101:
 
===Fehler und Fehlerfolgen ===
 
===Fehler und Fehlerfolgen ===
  
* Aufhebung der Ehe: §§ 1314, 1313 BGB
+
* '''Eheaufhebung''': §§ 1313, 1314 BGB
 
* Standesbeamter, § 2 PStG (Urkundsperson)  
 
* Standesbeamter, § 2 PStG (Urkundsperson)  
 
* § 1310 II BGB: objektive Anknüpfung an das Amt
 
* § 1310 II BGB: objektive Anknüpfung an das Amt
  
 
==Haftungsrecht in der Ehe==
 
==Haftungsrecht in der Ehe==
 
=== Pflichten aus § 1353 BGB===
 
  
 
* allgemeine Ehewirkungen: §§ 1353-1362 BGB
 
* allgemeine Ehewirkungen: §§ 1353-1362 BGB
 
* auch (ungeschrieben): vermögens- und haftungsrechtlich
 
* auch (ungeschrieben): vermögens- und haftungsrechtlich
* '''eheliche Lebensgemeinschaft''', § 1353 BGB
+
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
** Ausdruck des Umstands, dass die Ehe eine rechtlich verbindliche '''Schicksals- und Solidargemeinschaft''' darstellt
+
===='''Aufbauschema: Eheherstellungsantrag gem. § 1353 I 2 BGB'''====
*** gleichzeitig ist inhaltliche Vagheit der Norm Ausdruck des Grundsatzes staatlicher Nichteinmischung in innereheliche Angelegenheiten
+
<div class="mw-collapsible-content">
*** Konkretisierung: "historisch erfahrbare soziokulturelle Überlieferung"
+
* Anspruch auf Unterlassung einer ehewidrigen (außerehelichen) Beziehung mit einer dritten Person
**** häusliche Gemeinschaft
+
<div class="mw-collapsible-content">
**** Geschlechtsgemeinschaft einschließlich ehelicher Treue
+
1. '''Pflicht zur ehelichen Lebensgemeinschaft'''
**** gegenseitige Rücksichtnahme und Beistand
 
**** aber: Ehegatten können einvernehmlich von diesem Leitbild abweichen
 
**** gesetzliche Konkretisierung: § 1360 S. 1 BGB: '''Unterhaltspflicht''' (Barunterhalt und Naturalunterhalt)
 
** '''Einwendungen'''
 
*** § 1353 II BGB: spielt angesichts von § 1567 I BGB keine Rolle mehr
 
*** § 266 I Nr. 2 FamFG: '''Antrag auf Beendigung der außerehelichen Beziehung'''
 
**** § 120 III FamFG erklärt solche Ansprüche aber für '''nicht vollstreckbar'''
 
** '''Abwehrrecht''': §§ 823, 1004 BGB (Ehe als "'''sonstiges Recht'''", Art. 6 GG; keine verbotene Eigenmacht gem. § 866 BGB; räumlich-gegenständlicher Bereich der Ehe geschützt)
 
*** Innenverhältnis: rechtliche Sonderbeziehung mit Pflichten, bei deren Verletzung eine Haftung nach § 280 I BGB grds. in Betracht kommt
 
**** aber: durch ständige räumliche Nähe entsteht erhöhte Schädigungsgefahr
 
**** aber: zwischen Eheleuten besteht idealerweise ein emotionales Band
 
**** also nicht unbedingt sachgerecht, haftungsrechtliche Beziehungen zwischen Ehegatten ebenso zu behandeln wie zwischen beliebigen Dritten
 
*** Außenverhältnis: haftungsrechtliche Konsequenzen gegenüber Dritten
 
**** Schadensersatz vom untreuen Ehegatten oder von dessen Affäre?
 
  
===Haftungsprivileg des § 1359 BGB===
+
* rechtlich verbindliche '''Schicksals- und Solidargemeinschaft'''
 +
* "historisch erfahrbare soziokulturelle Überlieferung"
 +
* häusliche Gemeinschaft
 +
* Geschlechtsgemeinschaft einschließlich ehelicher Treue
 +
* gegenseitige Rücksichtnahme und Beistand
 +
* P: Ehegatten können einvernehmlich von diesem Leitbild abweichen
 +
* gesetzliche Konkretisierung (§ 1360 S. 1 BGB): '''Unterhaltspflicht''' (Barunterhalt und Naturalunterhalt)
  
* eigenübliche Sorgfalt (''diligentia quam in suis'')
+
2. '''kein Ausschluss'''
* '''Stillhaltepflicht''' aus § 1353 I 2 BGB
 
* unzulässige Klage
 
  
===Schadensersatz wegen der Verletzung vermögensrechtlicher Pflichten===
+
* Verlangen des anderen Ehegatten stellt sich als Missbrauch dar
 +
* Ehe gescheitert (§ 1353 II BGB): § 1565 I 2 BGB
 +
** Lebensgemeinschaft besteht nicht mehr und Wiederherstellung kann nicht erwartet werden
 +
*** § 1566 I, II BGB: unwiderlegbare Vermutungen für das Scheitern
 +
**** Getrenntleben seit einem Jahr und Scheidung beantragt oder Antragsgegner hat Scheidung zugestimmt
 +
**** Getrenntleben seit drei Jahren
 +
3. '''Vollstreckbarkeit'''
  
* deliktische Jedermannspflichten in der Ehe: § 280 I i.V.m. § 1353 I 2 BGB
+
* § 120 III FamFG: stattgebender Beschluss hat nur Appellwirkung und ist nicht vollstreckbar (keine staatlichen Zwangsmaßnahmen im Bereich der personalen Ehepflichten)
 +
</div></div></div>
  
== Schlüsselgewalt des § 1357 BGB==
+
* '''Ehestörungsantrag''' gem. §§ 1004, 823 I BGB (gegen Partner)
 +
** quasi-negatorischer Unterlassungsanspruch
 +
** absolut geschütztes Recht (-), da Ehe ein relatives Rechtsverhältnis begründet
 +
* '''Ehestörungsantrag''' gem. §§ 1004, 823 I BGB (gegen Dritten)
 +
** (-), denn die Durchsetzung des Anspruchs gegen außerehelichen Partner hätte für den Ehegatten faktisch die gleiche Wirkung wie eine Vollstreckung gegen ihn selbst
 +
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
===='''Aufbauschema: Ehestörungsantrag gem. §§ 1004, 823 I BGB analog'''====
 +
<div class="mw-collapsible-content">
 +
1. '''absolut geschütztes Recht'''
  
===Schuldrechtliche Bedeutung===
+
* nicht Ehe als solches
 +
* '''räumlich-gegenständlicher Bereich der Ehe''' ("sonstiges Recht")
  
* Durchbrechung der Relativität der Schuldverhältnisse ('''Gesamtschuldner-/Gesamtgläubigerschaft''')
+
2. '''Anspruchsgegner''' als Störer (Partner oder Dritter)
* '''reziproke''' '''Solidarhaftung'''
 
* z.B. Telekommunikationsvertrag gem. § 611 BGB
 
** Stellvertretung, § 164 I BGB? Nein, Offenkundigkeitsprinzip
 
*** Vertretungsmacht folgt aus § 1357 I BGB
 
** § 1357 BGB: Beschränkung/Ausschluss gem. § 1357 II BGB (Zeitpunkt: Vertragsschluss?), wirksames Rechtsgeschäft, angemessene Deckung des Lebensbedarfs (§ 1360a BGB)
 
* "etwas anderes": vereinbart, dass Ehegatte nicht berechtigt werden soll
 
* Gestaltungsrechte: Wer ist Inhaber des Widerrufsrechts? (str.)
 
* Sekundäre Ansprüche
 
* Drittwiderspruchsklage (Zwangsvollstreckung)
 
  
===Dingliche Bedeutung===
+
* Handlungsstörer: adäquat kausales Tun oder pflichtwidriges Unterlassen
 +
* Zustandsstörer: jeder, der die Herrschaft über eine gefahrbringende Sache ausübt, durch welche die Störung allein oder mitverursacht wird, wenn die Beseitigung der Störung vom Willen des Störers abhängt
  
* Automatischer Erwerb von Miteigentum?
+
3. '''Wiederholungsgefahr'''
* Ausnahme: Geschäft für den, den es angeht
 
  
==Sachenrecht in der ehelichen Lebensgemeinschaft==
+
4. keine '''Duldungspflichten'''
  
* zwischen Ehegatten, gegenüber Gläubigern
+
5. '''Vollstreckbarkeit'''
* Ehe beeinflusst Güterzuordnung nicht (außer in Gütertrennung)
 
* § 861 I BGB: Mitbesitz, § 868 BGB (bei Entzug)
 
* § 1361a BGB: § 1567 I BGB, § 985 BGB
 
* Ehegatte beim Erwerb: Stellvertreter des anderen Ehegatten
 
* verdecktes Geschäft für den, den es angeht (Bargeschäfte des alltäglichen Lebens)
 
* Erwerbswille auch für den anderen Ehegatten als allgemeine Einwilligung (§ 1568b II BGB)
 
** Haushaltsgegenstände
 
** Geschäft mit Bezug zur gemeinsamen Lebensführung
 
** Alleineigentum bei Freizeitgestaltung gerade des einen
 
** Kapitalanlagen aus eigenem Vermögen
 
* Eheleute und ihre Gläubiger
 
** § 1362 BGB: Vollstreckung
 
** § 771 ZPO (Drittwiderspruchsklage): Vindikation in Zwangsvollstreckung
 
** genügt § 808 I ZPO (Mitbesitz)? Nur unmittelbarer Alleinbesitz
 
** § 739 I ZPO, BGH: Nachweis des früheren Alleinbesitzers genügt, um Vermutung des § 1362 BGB entgegenzuwirken
 
  
===Eherechtliche Herausgabeansprüche===
+
* § 120 III FamFG bezieht sich auf die Verurteilung zur Herstellung des ehelichen Lebens, nicht auf Schutz des räumlich-gegenständlichen Bereichs der Ehe
 +
</div></div>
  
=== Eheliche Lebensgemeinschaft und die Übereignungstatbestände===
+
=== Besitzschutz unter Ehegatten ===
  
==Güterrecht==
+
* <u>Anspruch wegen Besitzentziehung</u> gem. § 861 I BGB
 +
** '''verbotene Eigenmacht''', § 858 I BGB (Besitzentziehung/-störung ohne den Willen des Besitzers und ohne Gestattung durch das Gesetz)
 +
*** Einschränkung durch § 866 BGB (Mitbesitz): Besitzschutz kommt nur in Betracht, wenn es sich nicht nur um die Grenzen des Gebrauchsrechts des einzelnen Mitbesitzers handelt
 +
** Anspruchsteller war '''Besitzer'''
 +
** Anspruchsgegner ist '''fehlerhafter Besitzer''', § 858 II BGB
 +
** kein '''Ausschluss''' nach § 861 II BGB (Anspruchsteller selbst im fehlerhaften Besitz)
 +
** kein '''Erlöschen''' nach § 864 BGB
 +
** keine '''petitorischen Einwendungen''', § 863 BGB
 +
*** nicht möglich: Berufung auf Eigentumsrechte
 +
** Ausschluss wegen '''§ 1361a I BGB''': jeder Ehegatte kann die ihm gehörenden Haushaltsgegenstände beim Getrenntleben von anderen Gatten herausverlangen (''lex specialis''?)
  
=== Das Güterrecht im Verhältnis zu anderen familienrechtlichen Regeln über das Vermögen===
+
=== <code>'''Schadensersatzansprüche'''</code> ===
 +
* '''Innenverhältnis''': rechtliche Sonderbeziehung mit Pflichten, bei deren Verletzung eine Haftung nach § 280 I BGB grds. in Betracht kommt
 +
** aber: durch ständige räumliche Nähe entsteht erhöhte Schädigungsgefahr
 +
** aber: zwischen Eheleuten besteht idealerweise ein emotionales Band
 +
** also nicht unbedingt sachgerecht, haftungsrechtliche Beziehungen zwischen Ehegatten ebenso zu behandeln wie zwischen beliebigen Dritten
 +
* '''Außenverhältnis''': haftungsrechtliche Konsequenzen gegenüber Dritten
 +
** Schadensersatz vom untreuen Ehegatten oder von dessen Affäre?
 +
* '''Haftungsprivileg''' des § 1359 BGB
 +
** eigenübliche Sorgfalt (''diligentia quam in suis'')
 +
** '''Stillhaltepflicht''' aus § 1353 I 2 BGB
 +
** unzulässige Klage
  
* Eherecht regelt ganz allgemein das Zusammenleben der Eheleute in der ehelichen Lebensgemeinschaft
+
===Schadensersatz wegen der Verletzung vermögensrechtlicher Pflichten===
* Güterrecht regelt im Besonderen, ob inwieweit die eheliche Lebensgemeinschaft auch eine Gemeinschaft des Vermögens und der Vermögensverwaltung bedeutet
 
* Verhältnis zu anderen vermögensrechtlichen Regelungen des Eherechts: nur dort Raum, wo das eheliche Güterrecht keine abschließende Regelung getroffen hat; Vermögenszuordnung über die allgemeinen Ehewirkungen wird weitestgehend verdrängt
 
  
===Die Güterstände des BGB===
+
* deliktische Jedermannspflichten in der Ehe: § 280 I i.V.m. § 1353 I 2 BGB
  
* gesetzlicher Güterstand: '''Zugewinngemeinschaft''', § 1363 I BGB
+
== Schlüsselgewalt==
** Die Vermögensmassen der Eheleute bleiben auch nach der Eheschließung selbständig
 
** auf dinglicher Ebene keine Vermögensgemeinschaft zwischen den Eheleuten
 
** Endet die Zugewinngemeinschaft unter Lebenden, erwirbt der eine Ehegatte gegen den anderen einen schuldrechtlichen Ausgleichsanspruch aus § 1378 I BGB
 
** Endet die Zugewinngemeinschaft durch den Tod eines Ehegatten, erfolgt der Zugewinnausgleich nach Maßgabe von § 1371 BGB
 
* Vertragsgüterstand: '''Gütergemeinschaft''', §§ 1415-1518 BGB
 
** einheitliche Vermögensmasse, das sog. Gesamtgut (gesamthänderisch gebunden)
 
** Nach § 1416 I BGB zählen zu dem Gesamtgut sowohl das Vermögen, das den Ehegatten bei der Vereinbarung dieses Güterstandes gehört, als auch dasjenige, das während der Ehe erworben wird
 
** Ausgenommen ist nur das Sonder‐ und das Vorbehaltsgut gem. §§ 1417, 1418 BGB.
 
** Vergemeinschaftet werden nur die Aktiva, nicht auch die Schulden.
 
* Vertragsgüterstand: '''Gütertrennung''', § 1414 BGB
 
** Im Verhältnis zur Zugewinngemeinschaft bleibt es bei den getrennten Vermögensmassen und es entfällt lediglich der schuldrechtliche Ausgleichsanspruch am Ende des Güterstandes.
 
** Die vermögensrechtlichen Beziehungen der Eheleute zueinander werden hier ausschließlich durch allgemeine Regeln, allgemeine Ehewirkungen und das Nebengüterrecht geregelt
 
  
=== Ehevertrag ===
+
* Durchbrechung der Relativität der Schuldverhältnisse ('''Gesamtschuldner-/Gesamtgläubigerschaft'''): gesetzliche Verpflichtungsermächtigung (Gläubigerschutz)
 +
* '''reziproke''' '''Solidarhaftung'''
 +
* '''Gestaltungsrechte''' (str.): Wer ist Inhaber des Widerrufsrechts und von sekundären Ansprüchen?
 +
* '''Drittwiderspruchsklage''' (Zwangsvollstreckung)
 +
* Automatischer Erwerb von '''Miteigentum'''?
 +
* Ausnahme: '''Geschäft für den, den es angeht'''
 +
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
=== '''Aufbauschema: Schlüsselgewalt gem. § 1357 BGB''' ===
 +
* unabhängig vom Güterrecht
 +
* keine Stellvertretung, §§ 164 ff. BGB (keine Offenkundigkeit)
 +
* Vertretungsmacht folgt aus § 1357 BGB
 +
<div class="mw-collapsible-content">
 +
1. '''wirksame Ehe''' bei Vertragsschluss
  
* Vertrag, durch den die Eheleute ihre güterrechtlichen Verhältnisse regeln (§ 1408 BGB)
+
* kein Getrenntleben, § 1357 III BGB (bzgl. häuslicher Gemeinschaft)
* bedarf gem. § 1410 BGB der notariellen Form
 
* Verstoß gegen die guten Sitten, § 138 I BGB (Inhalts- und Umstandssittenwidrigkeit)
 
** Ausgangspunkt: Privatautonomie, aber: evident einseitige Lastenverteilung (gestörte Vertragsparität)
 
*** aufgrund äußerer Umstände (umso stärker rechtfertigungsbedürftig, je stärker sie in den Kernbereich des Ehe- und Scheidungsfolgenrechts eingreifen)
 
** Inhalts-/Ausübungskontrolle gem. § 242 BGB
 
  
===Güterstandswahl und -gestaltung durch Ehevertrag===
+
2. Geschäft zur '''angemessenen Deckung des Lebensbedarfs'''
  
==Geschäfte über das Vermögen im Ganzen==
+
* auch Ausgaben für geistige, kulturelle oder politische Zwecke
 +
* angemessen: nach Art und Umfang den durchschnittlichen Lebensgewohnheiten von Familien in vergleichbarer sozialer Lage entsprechend
  
===Sinn und Zweck===
+
3. es darf sich aus den '''Umständen''' nichts anderes ergeben '''(§ 1357 I 2 a.E. BGB)'''
• Im gesetzlichen Güterstand bleiben die Vermögensmassen der Ehegatten selbständig
 
  
• Gem. § 1364 BGB verwaltet jeder Ehegatte sein Vermögen grundsätzlich auch selbständig
+
4. kein wirksamer '''Ausschluss''' gem. § 1357 II BGB
 +
</div></div>
  
• Aber: Von diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen
+
==Sachenrecht & Güterrecht==
  
• Eine davon ist § 1365 I 1 BGB: „Ein Ehegatte kann sich nur mit Einwilligung des anderen Ehegatten verpflichten, über sein Vermögen im Ganzen zu verfügen.“
+
=== <code>Sachenrecht</code> in der ehelichen Lebensgemeinschaft ===
  
• Gem. § 1360 BGB dient das Vermögen der Ehegatten als Quelle für den Familienunterhalt
+
* zwischen Ehegatten, gegenüber Gläubigern
 +
* Ehe beeinflusst Güterzuordnung nicht (außer in Gütertrennung)
 +
* § 861 I BGB: '''Mitbesitz''', § 868 BGB (bei Entzug)
 +
* § 1361a BGB: § 1567 I BGB, § 985 BGB
 +
* Ehegatte beim Erwerb: '''Stellvertreter''' des anderen Ehegatten
 +
* verdecktes '''Geschäft für den, den es angeht''' (Bargeschäfte des alltäglichen Lebens)
 +
* Erwerbswille auch für den anderen Ehegatten als allgemeine '''Einwilligung''' (§ 1568b II BGB)
 +
** Haushaltsgegenstände
 +
** Geschäft mit Bezug zur gemeinsamen Lebensführung
 +
** Alleineigentum bei Freizeitgestaltung gerade des einen
 +
** Kapitalanlagen aus eigenem Vermögen
  
• Vor diesem Hintergrund dient § 1365 BGB dem Erhalt der wirtschaftlichen Grundlagen der ehelichen Lebensgemeinschaft
+
=== Eheleute und ihre Gläubiger ===
 +
* '''Eigentumsvermutung''', § 1362 BGB
 +
** Vermutung, dass bewegliche, im Besitz eines oder beider Ehegatten befindlichen Sachen im Eigentum des jeweiligen Schuldners stehen
 +
** Gläubigerschutz
 +
** auf alle Güterstände anwendbar (allgemeine Anwendung)
 +
** Sonderregelung zu § 1006 BGB
 +
* § 808 ZPO erlaubt Pfändung und setzt Gewahrsam voraus
 +
** kein Mitbesitz, nur unmittelbarer Alleinbesitz
 +
* § 739 I 1 ZPO vermutet Gewahrsam und setzt Eigentumsvermutung voraus
 +
* § 1362 I 1 BGB vermutet Eigentum und setzt Besitz voraus
 +
** Nachweis des '''früheren Alleinbesitzers''' genügt, um '''Eigentumsvermutung''' des § 1362 BGB entgegenzuwirken (BGH)
 +
** § 1362 II BGB: persönlicher Gebrauch eines Ehegatten
 +
** § 771 ZPO ('''<code>Drittwiderspruchsklage</code>'''): Vindikation in Zwangsvollstreckung (durch Veräußerung hinderndes Recht)
  
• § 1365 I 1 BGB dient darüber hinaus auch der Sicherung des künftigen Anspruchs auf Zugewinnausgleich
+
=== Verhältnis zu anderen familienrechtlichen Regeln über das Vermögen ===
 +
* '''Eherecht''' regelt ganz allgemein das Zusammenleben der Eheleute in der ehelichen Lebensgemeinschaft
 +
* '''Güterrecht''' regelt im Besonderen, ob inwieweit die eheliche Lebensgemeinschaft auch eine Gemeinschaft des Vermögens und der Vermögensverwaltung bedeutet
 +
* Verhältnis zu anderen '''vermögensrechtlichen''' Regelungen des Eherechts: nur dort Raum, wo das eheliche Güterrecht keine abschließende Regelung getroffen hat; Vermögenszuordnung über die allgemeinen Ehewirkungen wird weitestgehend verdrängt
  
§ 1378 II 2 iVm § 1375 II 1 BGB können nämlich keinen vollständigen Schutz gegen illoyale Vermögensverschiebungen während der Dauer des gesetzlichen Güterstands bieten
+
== Güterstände ==
 +
{| class="wikitable"
 +
|gesetzlich
 +
| colspan="2" |vertraglich
 +
|-
 +
!'''Zugewinngemeinschaft'''
 +
!'''Gütergemeinschaft'''
 +
!'''Gütertrennung'''
 +
|-
 +
|§ 1363 I BGB
 +
|§§ 1415-1518 BGB
 +
|§ 1414 BGB
 +
|-
 +
|
 +
* Die '''Vermögensmassen''' der Eheleute bleiben auch nach der Eheschließung '''selbständig'''
 +
* auf dinglicher Ebene '''keine Vermögensgemeinschaft''' zwischen den Eheleuten
 +
* Endet die Zugewinngemeinschaft unter Lebenden, erwirbt der eine Ehegatte gegen den anderen einen '''schuldrechtlichen Ausgleichsanspruch''' aus § 1378 I BGB
 +
* Endet die Zugewinngemeinschaft durch den Tod eines Ehegatten, erfolgt der Zugewinnausgleich nach Maßgabe von § 1371 BGB
 +
|
 +
* einheitliche Vermögensmasse, das sog. '''Gesamtgut''' ('''gesamthänderisch''' gebunden)
 +
* Nach § 1416 I BGB zählen zu dem Gesamtgut sowohl das Vermögen, das den Ehegatten bei der Vereinbarung dieses Güterstandes gehört, als auch dasjenige, das während der Ehe erworben wird
 +
* Ausgenommen ist nur das '''Sondergut''' und das '''Vorbehaltsgut''' gem. §§ 1417, 1418 BGB
 +
* Revokationsrecht, § 1428 BGB
 +
*'''Vergemeinschaftet werden nur die Aktiva''', nicht auch die Schulden
 +
|
 +
* Im Verhältnis zur Zugewinngemeinschaft bleibt es bei den getrennten Vermögensmassen und es '''entfällt lediglich der schuldrechtliche Ausgleichsanspruch''' am Ende des Güterstandes
 +
* Die vermögensrechtlichen Beziehungen der Eheleute zueinander werden hier ausschließlich durch allgemeine Regeln, allgemeine Ehewirkungen und das Nebengüterrecht geregelt
 +
* nicht automatisch ausgeschlossen: <code>Versorgungsausgleich</code> (Rentenanwartschaft), § 1408 II BGB
 +
|}
  
• Einwilligungsbedürftig ist zunächst das Verpflichtungsgeschäft über das Vermögen im Ganzen 1365 I 1 BGB)
+
=== Ehevertrag ===
 +
* Vertrag, durch den die Eheleute ihre güterrechtlichen Verhältnisse regeln 1408 BGB)
 +
* bedarf gem. § 1410 BGB der '''notariellen Form'''
 +
* '''Sittenwidrigkeit''', § 138 I BGB (Inhalts- und Umstandssittenwidrigkeit)
 +
** Ausgangspunkt: Privatautonomie, aber: evident einseitige Lastenverteilung ('''gestörte Vertragsparität''', Übervorteilung)
 +
** aufgrund äußerer Umstände (umso stärker rechtfertigungsbedürftig, je stärker sie in den Kernbereich des Ehe- und Scheidungsfolgenrechts eingreifen)
 +
* Inhalts-/Ausübungskontrolle gem. § 242 BGB ('''Treuwidrigkeit''')
  
• Einwilligungsbedürftig ist darüber hinaus das Verfügungsgeschäft, wenn der andere Ehegatte in das Verpflichtungsgeschäft nicht eingewilligt hatte (§ 1365 I 2 BGB)
+
== Nebengüterrecht ==
  
• Nach Maßgabe von § 1365 II BGB kann das Familiengericht die fehlende Einwilligung des anderen Ehegatten ersetzen
+
* Vermögensauseinandersetzung '''außerhalb des Zugewinnausgleichs'''
  
• Ein Geschäft, das der Ehegatte ohne die notwendige Einwilligung des anderen Ehegatten abgeschlossen hat, ist gem. § 1366 I BGB schwebend unwirksam
+
* '''Lückenhaftigkeit''' der güterrechtlichen Modelle, nicht angemessen erfasst sind namentlich:
 +
** Konkrete vertragliche Beziehungen zwischen den Eheleuten (z.B. '''Arbeitsvertrag''')
 +
** Abwicklung von Leistungstransfers ohne ausdrückliche vertragliche Grundlage (sog. „'''ehebedingte Zuwendung'''“)
 +
** Beteiligung eines Ehegatten an einem '''gemeinsam geschaffenen Vermögenswert''', der im Außenverhältnis nur dem anderen zugewiesen ist
  
=== Das Verhältnis von Verpflichtung und Verfügung ===
+
* Instrumente des Güterrechts sind Allgemeine zivilrechtliche Institute und Schöpfungen richterlicher Rechtsfortbildungen aufgrund allgemeiner zivilrechtlicher Regeln
  
==== Der Anspruch aus § 894 BGB ====
+
=== Abwicklung konkreter Verträge ===
• Anspruchsziel: Clara soll aus dem Grundbuch als Eigentümerin gelöscht und statt ihrer wieder Anton als Eigentümer eingetragen werden
 
  
• Dies kann nur geschehen, wenn Clara die Erklärung nach § 19 GBO in der Form des § 29 GBO abgibt
+
* Unabhängig von Ehe und unabhängig vom Güterstand wird Vertrag zwischen Eheleuten nicht anders abgewickelt als Vertrag zwischen beliebigen Dritten
 +
* Maßgeblich ist Leistungsprogramm, das Eheleute in ihren jeweiligen Willenserklärungen fixiert haben
 +
* evtl. problematisch: Feststellung des Rechtsbindungswillens oder § 117 BGB (Scheingeschäft)
 +
* Ende der Ehe oder des Güterstands führt nicht zur Beendigung laufender Verträge zwischen Eheleuten
 +
* Vertrag wird also bis zur ordentlichen oder außerordentlichen Beendigung nach einschlägigen schuldrechtlichen Regeln fortgeführt
 +
* Aber: Sofern Ansprüche und Schulden aus diesen Verträgen bestehen, sind sie beim jeweiligen Ehegatten als Aktiva bzw. Passiva beim Endvermögen gem. § 1375 BGB zu berücksichtigen (Zugewinnausgleich)
  
• Nach Maßgabe des § 894 BGB hat Anton gegen Clara einen Anspruch auf Abgabe dieser Erklärung
+
=== Ehebedingte Zuwendung ===
  
• Zentrale Voraussetzung ist, dass das Grundbuch die materiellrechtliche Lage falsch wiedergibt
+
* Aufwendungsersatzanspruch aus § 670 BGB
 +
** BGH: Leistungen, die ein Partner während des Bestehens des Zusammenlebens und mit Rücksicht auf die Partnerschaft sowie auf die gemeinschaftliche Lebensführung erbringt („ehebedingte Zuwendung“), sind nicht auszugleichen („'''Grundsatz der Nichtausgleichung'''“)
 +
** Argument: Die Leistungen werden aufgrund der engen persönlichen Beziehung erbracht und weisen einen starken Bezug zum ehelichen Unterhalt (§ 1360 BGB) auf
 +
** Ein Ausgleich findet nur aufgrund konkreter vertraglicher Abreden statt
  
• Das ist der Fall, wenn Anton und nicht Clara der Eigentümer des Grundstücks ist
+
* GoA: Anspruch aus § 670, § 683 Satz 1, § 677 BGB?
 +
** Fremdgeschäftsführungswille wird vermutet, wenn das Geschäft bereits nach seinem äußeren Zuschnitt in einen fremden Rechtskreis fällt
 +
** Aber: In den Fällen der ehebedingten Zuwendung ist die Vermutung für das Handeln mit Fremdgeschäftsführungswillen widerlegt
 +
** Argument: Ehebedingte Zuwendungen werden mit Rücksicht auf einen gemeinsamen Interessenkreis getätigt
  
Ursprüngliche Eigentumslage und weitere Verfügungen über das Grundstück
+
* Anspruch aus § 812 I BGB?
 +
** Hier beabsichtigt der Zuwendende, den Empfänger zu einem Verhalten zu veranlassen, auf das er keinen rechtlichen Anspruch hat
 +
** Aber BGH: Bei der ehebedingten Zuwendung kommt auch das nicht in Betracht
 +
* Anspruch aus Nichtleistungskondiktion gem. § 812 I 1 Alt. 2 BGB?
  
• Ursprünglich war Anton Eigentümer des Grundstücks (vgl. auch § 891 BGB)
+
=== Schaffung eines gemeinschaftlichen Vermögenswerts ===
  
• Denkbar: Eigentumsverlust an Clara durch Übereignung gem. §§ 873, 925 BGB
+
* gemeinsame Schaffung eines hohen Vermögenswerts, der dinglich nur einem der beiden Ehegatten zugewiesen ist
 +
* Hier könnte ein unbedingtes Festhalten am Grundsatz der Nichtausgleichung zu Schwierigkeiten mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit führen
 +
* Ausgleichsanspruch '''analog § 738 I 2 BGB'''
 +
** Eheleute müssen in Bezug auf einen Vermögensgegenstand eine sog. BGB‐Innengesellschaft in Form einer Beteiligungsgesellschaft geschlossen haben
 +
** Vermögensgegenstand bleibt im Außenverhältnis alleiniges Vermögen eines der beiden Ehegatten
 +
** Lediglich im Innenverhältnis wird vereinbart, dass beide Ehegatten an diesem Gegenstand beteiligt sein sollen
 +
** Ausgleichsanspruch entsteht, sobald die im Innenverhältnis vereinbarte Beteiligungsgesellschaft endet (durch Trennung oder Stellung des Scheidungsantrags)
 +
** Maßgeblich: Objektiver Empfängerhorizont gem. §§ 133, 157 BGB
 +
** Gemeinsamer Aufbau eines erheblichen Vermögenswerts, der über die Verwirklichung der ehelichen Lebensgemeinschaft hinausgeht
 +
** Beide Ehegatten müssen an diesem Aufbau funktionell gleichwertig mitgewirkt haben
 +
** Ausgleich des Nichteigentümer‐Ehegatten darf nicht auf andere Weise angemessen ausgeglichen sein (durch Vertrag, durch Zugewinnausgleich)
 +
* Anpassung und Ausgleichung gem. '''§ 313 BGB'''
 +
** BGH: Erwartung, dass die Ehe Bestand haben werde und der Nichteigentümer‐Ehegatte deshalb von seiner Mitarbeit weiter profitieren werde, kann Geschäftsgrundlage i.S.d. § 313 I BGB sein
 +
** Dafür genügt bereits die Zuwendung eines beträchtlichen Vermögenswerts, ohne dass die Voraussetzungen einer Ehegatten‐Innen‐GbR gegeben wären
 +
** Scheitert die Ehe, entfällt die Geschäftsgrundlage und es greifen die Anpassungsmechanismen des § 313 I BGB
 +
** Aber: Anpassung und Ausgleich finden auch hier nicht statt, wenn anderweitig ein angemessenes Ausgleich erfolgt
  
• Einigung gem. § 925 BGB („Auflassung“)
+
== Zugewinngemeinschaft ==
  
• Problem: Ist diese Einigung womöglich (schwebend) unwirksam gem. § 1366 I BGB?
+
* § 1363 II BGB: kein gemeinschaftliches Vermögen (anders bei Gütergemeinschaft), lediglich Ausgleich des Zugewinns nach Ende der Zugewinngemeinschaft
 +
* § 1357 I 2 BGB: keine dingliche Wirkung
  
Gegenständlicher Anwendungsbereich
+
=== Verfügungen über das Vermögen im Ganzen, § 1365 BGB ===
 +
* Ausnahme der '''Selbständigkeit''' des § 1364 BGB
 +
* Vermögen ist gem. § 1360 BGB Quelle des Familienunterhalts
 +
* Erhalt der wirtschaftlichen Grundlage der ehelichen Lebensgemeinschaft und Sicherung des künftigen Anspruchs auf Zugewinnausgleich (Schutz vor illoyalen Vermögensverschiebungen)
 +
* Einwilligungsbedürftig ist '''Verpflichtungsgeschäft''' und '''Verfügungsgeschäft''' (wenn Ehegatte nicht eingewilligt hatte) – sonst schwebende Unwirksamkeit
 +
* "Vermögen im Ganzen" (ab 90 %)
 +
**'''Einzeltheorie''' (h.M.): auch einzelne Geschäfte können Gesamtvermögensgeschäfte sein
 +
**'''Gesamttheorie''': Gesamtvermögensgeschäft mit tatsächlich gesamten Vermögen zum Gegenstand
 +
*'''Schutz des Rechtsverkehrs''' (Kenntnis nicht erforderlich vs. subjektive Theorie – Zeitpunkt der Anwendung): keine Anwendung der §§ 1365, 1366 BGB?
 +
*'''Gegenleistung''' ist nicht zu berücksichtigen (§ 1365 I BGB differenziert nicht zwischen entgeltliche und unentgeltlichen Rechtsgeschäften)
  
§ 1365 I 1 BGB: Das Verpflichtungsgeschäft über das Vermögen im Ganzen
+
=== Verfügungen über Haushaltsgegenstände, § 1369 BGB ===
 +
* Beschränkung der Selbstverwaltung des eigenen Vermögens (Motive wie bei Verfügungen über das Vermögen im Ganzen)
 +
* Einwilligungsvorbehalt auch während des Getrenntlebens?
 +
* Begriff wie bei § 1361a BGB (keine persönliche Habe, keine Gewährleistungsrechte): alle beweglichen Sachen, die dem gemeinschaftlichen Leben der Ehegatten im familiären Bereich einschließlich der Freizeitgestaltung zu dienen bestimmt sind (Widmung zur gemeinsamen Nutzung)
 +
* '''Einwilligungsvorbehalt''' des § 1369 BGB gilt auch, wenn Gegenstände dieser Art mehrfach vorhanden sind
 +
*<code>Eigentumsverhältnisse</code> am Haushaltsgegenstand: umfasst auch Anwartschaftsrecht als wesensgleiches Minus (Wirkung bei Miteigentum)? Oder wenn Haushaltsgegenstand im Alleineigentum eines Dritten (Eigentumsvorbehalt)?
  
§ 1365 I 2 BGB: Das Verfügungsgeschäft über das Vermögen im Ganzen, dem kein wirksames Verpflichtungsgeschäft zugrunde liegt
+
=== Revokationsrecht, § 1368 BGB ===
 +
* gesetzliche '''Prozessstandschaft'''
 +
* '''Aktivlegitimation''' (z.B. für Anspruch aus § 894 BGB)
 +
* Ansprüche aus § 985 BGB
 +
** Kenntnis der Ehe aus Sicht des Dritten unerheblich
 +
** verweigerte Genehmigung i.S.d. §§ 1365 I, 1369 I BGB bewirkt Unwirksamkeit des dinglichen Geschäfts und des Kaufvertrags
 +
** Herausgabe kann nach h.M. nur an den Eigentümer verlangt werden
  
• Welche Folgen hat die Einwilligung nur in das Verpflichtungsgeschäft?
+
=== Konvaleszenz ===
 +
* schwebende Unwirksamkeit begründende Umstand fällt während des Schwebezustands weg
 +
* § 108 III BGB
 +
* Geschäft wird wirksam („konvalesziert“), wenn während der Schwebezeit der Schutzzweck, im Hinblick auf den die schwebende Unwirksamkeit angeordnet wurde, entfällt
  
• Welche Folgen hat die Einwilligung nur in das Verfügungsgeschäfts?
+
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
==='''Aufbauschema: Zugewinnausgleich beim Tod eines Ehegatten gem. §§ 1371, 1931 BGB'''===
 +
* § 1371 BGB (pauschaler Zugewinnausgleich, gesetzliche Erbfolge)
 +
** gesetzlicher Erbteil (§ 1931 BGB) '''1/4''' + '''1/4''' (§ 1371 I BGB: unerheblich, ob Zugewinn erzielt wurde)
 +
* § 1371 II BGB (überlebender Ehegatte wird nicht Erbe, gewillkürte Erbfolge)
 +
** kleiner Pflichtteil (§ 1931 I, 2303 BGB) '''1/8''' + '''Zugewinn''' (§§ 1383-1390 BGB)
 +
** großer Pflichtteil (m.M.): (§§ 1931 I + 1371 I BGB) + § 2303 BGB = 1/4
 +
</div>
  
• Welche Folgen hat die spätere Genehmigung nur des Verpflichtungsgeschäfts?
+
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
==='''Aufbauschema: Zugewinnausgleich unter Lebenden gem. § 1378 BGB'''===
 +
1. '''Güterstand'''
  
Zeitlicher Anwendungsbereich
+
* Zugewinngemeinschaft, § 1363 I BGB
  
• Der Einwilligungsvorbehalt gilt während des gesamten Dauer des gesetzlichen Güterstands
+
2. Maßgeblicher '''Zeitpunkt'''
 +
* Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags, § 1384 BGB
 +
3. '''Berechnung'''
 +
* '''Zugewinn''': § 1373 BGB (Betrag, um den das Endvermögen das Anfangsvermögen übersteigt)
 +
**'''Anfangsvermögen''', § 1374 BGB (tatsächlich): nach Abzug der Verbindlichkeiten
 +
*** § 1374 II BGB (fiktiv): Hinzurechnung von Vermögen, das durch Erbrecht erworben wird, Schenkungen oder Ausstattungen (h.M. nur bzgl. Schenkungen von Dritten)
 +
** '''Endvermögen''', § 1375 BGB (tatsächlich): nach Abzug der Verbindlichkeiten
 +
*** § 1375 II BGB (fiktiv): Hinzurechnung unentgeltliche Zuwendungen, Verschwendungen, Benachteiligungen
 +
4. '''Ausgleichsanspruch'''
  
• Er beginnt mit der Begründung des Güterstands, sei es durch Eheschließung oder durch Abschluss eines entsprechenden Ehevertrags
+
* § 1378 BGB: in Höhe der Hälfte der Differenz zwischen Zugewinn des einen und Zugewinn des anderen
 +
* Anrechnung von '''Vorausempfängen''' nach § 1380 BGB
  
• Er endet mit der Auflösung des Güterstands, sei es durch Ehevertrag, Tod eines Ehegatten, Scheidung oder durch Beschluss des Familiengerichts nach § 1385 BGB
+
5. '''Verjährung''' (§§ 195, 199 BGB)
  
• Problem: Stellt das Getrenntleben die Geltung des § 1365 BGB in Frage?
+
6. Leistungsverweigerungsrecht wegen '''grober Unbilligkeit'''
  
===Einzeltheorie und Gesamttheorie===
+
* § 1381 BGB
Gesamttheorie
+
</div>
  
• Denkbar: Ein Gesamtvermögensgeschäft liegt nur vor, wenn der Vertrag tatsächlich „das gesamte Vermögen“ einer Partei zum Gegenstand hat
+
* Verteilung von Haushaltsgegenständen gem. <code>§ 1568b BGB</code>: Dieses Verfahren betrifft nur im Miteigentum der Ehegatten stehende Haushaltsgegenstände
 +
* Ausgleich von <code>Versorgungsanwartschaften</code> nach dem '''VersAusglG'''
  
* Argument: Der Wortlaut der Vorschrift
+
* § 1384 BGB verlegt den '''Stichtag''' für das vorhandene Vermögen i.S.d § 1378 II 1 BGB auf die '''Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags'''
* Problem 1: Gesamtvermögensgeschäfte nach § 1365 I 2 BGB
+
** muss § 1384 BGB für den unverschuldeten Vermögensverfall nach dem Stichtag '''teleologisch reduziert''' werden?
 +
* <code>'''Unbilligkeitsklausel'''</code> des § 1381 BGB
 +
* Abdingbargkeit des Zugewinnanspruchs, § 1378 III 2 BGB (notarielle Beurkundung)
  
beziehen sich stets auf einzelne Vermögensgegenstände
+
==Getrenntleben und Scheidungsvoraussetzungen==
 +
{| class="wikitable"
 +
! colspan="6" |§ 1564 BGB (Scheidung), Voraussetzungen: Scheitern gem. § 1565 BGB ('''Zerrüttungsprinzip''', früher: Verschuldensprinzip)
 +
|-
 +
|
 +
* '''Trennung''', § 1567 BGB
 +
* '''Versöhnungsversuche''', § 1567 II BGB
 +
|Scheidung nur bei '''unzumutbarer Härte''', § 1565 II BGB
 +
|1 Jahr nach Trennung ('''Trennungsjahr''', Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft)
 +
|Scheidung bei '''Einvernehmen''' der Eheleute oder positiver Feststellung des Scheiterns, § 1566 I BGB
 +
|3 Jahre nach Trennung, § 1566 II BGB ('''unwiderlegliche Vermutung''')
 +
|
 +
* Scheidung stets möglich
 +
* '''Härteklausel''' (§ 1568 BGB)
 +
|}
  
• Problem 2: Die wirtschaftlichen Grundlagen der ehelichen Lebensgemeinschaft und der künftige Anspruch auf Zugewinnausgleich können bereits bei Geschäften über einzelne Vermögensgegenstände gefährdet sein
+
* § 1567 I BGB: '''Getrenntleben''' (Trennungswille z.B. im Auszug erkennbar)
 +
* § 1361b BGB: '''Ehewohnung''' bei Getrenntleben (Trennungsabsicht genügt, auch ohne räumliche Trennung)
 +
** unbillige Härte: Gesamtabwägung der Umstände des Einzelfalls (Zumutbarkeit, Kindeswohl)
 +
** Zuweisung: zeitlich befristete Überlassung (bis Rechtskraft der Scheidung)
  
Einzeltheorie
+
==Unterhalt==
 +
<div class="toccolours mw-collapsible infobox">
 +
==='''Aufbauschema: Unterhalt'''===
 +
1. '''Anspruchsgrundlage'''
  
• Deshalb Einzeltheorie: Auch einzelne Geschäfte können Gesamtvermögensgeschäfte iSd § 1365 BGB sein, wenn sie in der Summe das gesamte oder wenigstens das wesentliche Vermögen des Ehegatten betreffen
+
2. '''Bedarf'''
  
• Frage: Ab wann ist das wesentliche Vermögen eines Ehegatten betroffen?
+
3. '''Bedürftigkeit''' des Unterhaltsberechtigten
  
• Verpflichtung zur Übertragung oder zur dinglichen Belastung des Vermögens
+
4. '''Leistungsfähigkeit''' des Unterhaltspflichtigen
  
• Problem: Ist der etwaige Erhalt einer Gegenleistung zu berücksichtigen?
+
5. Sonstige '''Probleme''', z.B.
 +
* Unterhaltsverzicht
 +
* Härtefall
 +
* Unterhalt für die Vergangenheit</div>
  
Kenntnis von den Vermögensverhältnissen des Ehegatten
+
* '''Versorgungsausgleich''': § 1587 BGB
 +
* [[Familienrecht#Nichteheliche Lebensgemeinschaft|Unterhalt in der nichtehelichen Lebensgemeinschaft]]
  
• Nach hM muss der andere Teil über den Wortlaut des § 1365 BGB hinaus Kenntnis von den Vermögensverhältnissen des Ehegatten haben
+
=== Verwandtenunterhalt, §§ 1601 ff. BGB ===
 +
* Verwandte '''einander''' in gerader Linie, § 1601 BGB (Anspruch des Kindes selbst)
 +
** Abgrenzung
 +
*** § 1570 BGB: Anlass der geschiedenen Ehe
 +
*** § 1615l BGB: '''Anlass der Geburt'''
 +
**** § 1615l I BGB: sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt
 +
**** § 1615l II 1 BGB: neun Wochen bis drei Jahre nach der Geburt (bei durch Schwangerschaft oder Entbindung verursachten Krankheit der Mutter)
 +
**** § 1615l II 2, 3 BGB: grds. bis drei Jahre nach der Geburt (Betreuungsunterhalt)
 +
**** § 1615l II 4, 5 BGB: Verlängerung des Zeitraumes, soweit dies der Billigkeit entspricht
 +
** Rangverhältnisse: § 1606 BGB
 +
* Bedürftigkeit des Berechtigten, § 1602 BGB
 +
* Unterhaltsmaß, § 1610 BGB
 +
* Leistungsfähigkeit der Verpflichteten, § 1603 BGB
 +
* Art der Unterhaltsgewährung: § 1612 BGB (§ 1606 III 2 BGB)
 +
* bei nicht (mehr) miteinander verheirateten Eltern wird das Kind durch den betreuenden Elternteil gem. § 1629 II 2 BGB '''vertreten'''
 +
* '''Ausbildungsunterhalt''', § 1601 i.V.m. § 1610 II BGB (auch bei Weiterbildung und nicht Zweitausbildung)
 +
** enger sachlicher Zusammenhang
 +
** enger zeitlicher Zusammenhang
 +
** finanzielle Angemessenheit des Studiums
  
• Warum ist das so?
+
{| class="wikitable"
 
+
|''Zeitpunkt''
• Das bedeutet: §§ 1365, 1366 BGB wirken nicht zu Lasten eines Vertragspartners, der nicht ahnen konnte, dass hier ein Gesamtvermögensgeschäft vorliegt
+
!Während der Ehe
 
+
!Während des Getrenntlebens
• Maßgeblicher Zeitpunkt für die Kenntnis ist der Abschluss des schuldrechtlichen Geschäfts
+
!ab Rechtskraft der Scheidung
 
+
|-
• Daraus folgt: Eine Kenntniserlangung zwischen dem schuldrechtlichen Geschäft und seinem dinglichen Vollzug schadet dem anderen Teil nicht
+
|''Normen''
 
+
|§§ 1360, 1360a BGB
Schwebende Unwirksamkeit
+
|§ 1361 BGB
 
+
|§§ 1569 ff. BGB
§ 1366 I BGB: Die Wirksamkeit des Gesamtvermögensgeschäfts hängt von der Genehmigung des anderen Ehegatten ab
+
|-
 
+
|''Unterhaltstatbestände''
• Für die Genehmigung gelten grundsätzlich §§ 182 ff. BGB
+
|'''Familienunterhalt'''
 
+
|'''Trennungsunterhalt'''
• Aber: Ergänzend ist § 1366 III BGB zu beachten
+
* Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten
 
+
* Unterhaltsausschluss nicht möglich (keine Dispositionsbefugnis)
• Während der Schwebezeit kann der andere Teil den Vertrag nach Maßgabe von § 1366 II BGB widerrufen
+
* Härteklausel
 
+
|'''Betreuungsunterhalt, Altersunterhalt, Krankheitsunterhalt, Arbeitslosenunterhalt, Ausbildungsunterhalt, Unterhalt aus Billigkeitsgründen'''
• Verweigert der andere Ehegatte die Genehmigung, ist der Vertrag insgesamt unwirksam (§ 1366 IV BGB)
+
* Bedürftigkeit des Berechtigten, § 1577 BGB
 
+
* Unterhaltsmaß, § 1578 BGB
Aktivlegitimation
+
* Leistungsfähigkeit des Verpflichteten, § 1581 BGB
 
+
|-
Wer darf den Anspruch aus § 894 BGB geltend machen?
+
|''Verweisungen''
 
+
|§§ 1613-1615 BGB
• Zwischenergebnis: Das Grundbuch ist objektiv unrichtig, weil in Wahrheit Anton der Eigentümer des Grundstücks ist
+
|§§ 1360a III, IV sowie 1360b, 1605 BGB
 
+
|
• Problem: Was passiert, wenn Anton den Anspruch nicht geltend macht?
+
* Grundsatz der '''Eigenverantwortlichkeit''', § 1569 BGB
 
+
* Unterhalt für die '''Vergangenheit''', §§ 1585b II, 1613 I 2 BGB i.S.v. § 1573 I BGB (frühestens ab Rechtshängigkeit oder Verzug)
• Um dies zu vermeiden, erhält der andere Ehegatte durch § 1368 BGB ein eigenes „Revokationsrecht“
+
|}
 
 
• Im Prozess begründet dieses einen Fall der gesetzlichen Prozessstandschaft
 
 
 
Konvaleszenz
 
 
 
• Konstellation: Der die schwebende Unwirksamkeit begründende Umstand fällt während des Schwebezustands weg
 
  
• Spezialregelungen über die Konvaleszenz: Insbesondere § 108 III BGB
+
== Abstammungsrecht ==
 +
[[Datei:Zhansugurov family.jpg|mini|Familie]]
 +
[[Datei:Verwandtschaft in deutsch.png|mini|Verwandtschaft]]
  
• Allgemeine Regel über die Konvaleszenz: Das Geschäft wird wirksam („konvalesziert“), wenn während der Schwebezeit der Schutzzweck, im Hinblick auf den die schwebende Unwirksamkeit angeordnet wurde, entfällt
+
* '''Verwandtschaft''', § 1589 BGB
 +
** gerade Linie: Kinder/Eltern
 +
** Seitenlinie: Geschwister
 +
** Grad: Zahle der vermittelnden Geburten
 +
* '''Schwägerschaft''', § 1590 BGB
 +
** Verwandte des Ehegatten sind mit dem anderen Ehegatten verschwägert
 +
** überdauert die Ehe
 +
** Schwippschwägerschaft: Geschwister des einen zu den Geschwistern des anderen Ehe- oder Lebenspartners sowie das Verhältnis zwischen den Ehegatten oder Partnern von Geschwistern (keine Schwägerschaft im Rechtssinne)
 +
* '''Mutterschaft''', § 1591 BGB
 +
** die Frau, die das Kind geboren hat
 +
* '''Vaterschaft''', § 1592 BGB
 +
** Nr. 1: verheiratet
 +
** Nr. 2: anerkannt (§ 1594 ff. BGB)
 +
** Nr. 3: gerichtliche Feststellung (§ 1600d BGB)
 +
* '''Samenspende''': zulässig, wenn Empfängerin in fester Partnerschaft lebt (Spaltung von genetischer und sozialer Vaterschaft ist ohnehin nicht zu verhindern)
 +
* '''Eizellspende''': strafbar nach § 1 I ESchG (Verhinderung gespaltener Mutterschaften)
 +
* '''<code>Leihmutterschaft</code>'''
 +
* '''Kenntnis der eigenen Abstammung'''
 +
** Vaterschaftsfeststellung, § 1600d I 1 BGB
 +
** Familieninterne Klärung, § 1598a BGB
 +
** Auskunft vom Arzt, § 242 BGB
 +
* '''Adoption''': §§ 1741 ff. BGB (Annahme als Kind)
 +
** Einwilligung des Kindes (§ 1746 BGB) und der Eltern (§ 1747 BGB) und des Ehegatten (§ 1749 BGB)
 +
** Rechtsfolgen
 +
*** § 1754 BGB: rechtliche Stellung eines gemeinsamen Kindes
 +
*** § 1755 BGB: Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen
 +
*** § 1756 BGB: Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen nur zu den Eltern, wenn Kind im zweiten oder dritten Grad mit den Annehmenden verwandt oder verschwägert
  
• Bedeutung für § 1365 BGB: Mit dem Ende des Güterstandes entfällt der Schutzzweck nicht automatisch
+
==Eltern und Kinder==
  
==Geschäfte über Haushaltsgegenstände==
+
* Verfassungsrechtlicher Hintergrund: Art. 6 II 1 GG: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
 +
* Legaldefinition in § 1626 I 1 BGB: „Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge)“
  
===Begriff des Haushaltsgegenstands===
+
=== Besonderheiten ===
• Bei § 1369 BGB handelt es sich ebenso um eine Beschränkung der Selbstverwaltung des eigenen Vermögens (§ 1364 BGB) wie bei § 1365 BGB
+
* Ordnungsgemäße Ausübung und Grenzen der elterlichen Vertretungsmacht
 +
* Schenkungsverbot, § 1641 BGB
 +
* Genehmigungsbedürftige Rechtsgeschäfte
 +
* <code>Insichgeschäft</code>, § 181 BGB (teleologische Reduktion)
  
• Durch § 1369 BGB soll die Funktionsfähigkeit des ehelichen Haushalts aufrechterhalten werden
+
=== Kindeswohl, § 1697a BGB ===
 
+
*<u>Sorgerecht</u> ('''Elterliche Sorge''', § 1626 BGB): Entscheidungen treffen (u.a. § 1687 BGB)
• Durch § 1369 BGB soll der künftige Anspruch auf Zugewinnausgleich gesichert werden
+
** '''Vertretung''', § 1629 BGB
 
+
** Ausnahme: § 1795 BGB (Ausschluss des Vormundes)
• Wegen der Folgen des fehlenden Einverständnisses gelten über § 1369 III BGB die §§ 1366 ff. BGB
+
** gerichtliche Maßnahmen: §§ 1666 ff. BGB (bei Gefährdung des Kindeswohls oder des Kindesvermögens)
 
+
**'''Personensorge''' (z.B. Wahl einer Schule, Nachnamenrecht gem. §§ 1616 ff. BGB)
===Das Verhältnis von Verpflichtung und Verfügung ===
+
**'''Vermögenssorge''' (z.B. Kontoeröffnung)
Ursprüngliche Eigentumslage und erste Verfügungen
+
*** Beschränkung der Vermögenssorge, § 1638 BGB
 
+
*** genehmigungspflichtige Rechtsgeschäfte, § 1643 BGB: FamG (sonst: schwebende Unwirksamkeit)
• Ursprünglich war Heinrich Eigentümer der Wohnlandschaft (§ 1006 I BGB)
+
*<u>Umgangsrecht</u> (§ 1684 BGB): Kind sehen
 
+
** Beziehungsaufbau
• Heinrich hat sein Eigentum nicht gem. § 929 S. 1 BGB an Anton und Bertha verloren, weil er die Wohnlandschaft lediglich unter Eigentumsvorbehalt veräußerte (§ 449 BGB)
+
** Beziehungspflege
 
+
** bei Verletzung: '''Schadensersatz''' gem. §§ 280 I, 241 II und 823 I BGB
• Heinrich hat sein Eigentum nicht gem. § 929 S. 1 iVm § 932 I BGB durch Übereignung von Bertha an Martha verloren
+
*** gesetzliches Schuldverhältnis zwischen Umgangsberechtigtem und Sorgeberechtigtem i.S.d. § 280 I BGB mit Nebenpflichten gem. § 241 II BGB
 
+
*** absolutes Recht i.S.v. § 823 I BGB (str.)
• Als Nichteigentümerin fehlte Bertha die hierfür erforderliche Verfügungsbefugnis
+
*'''Beschränkte Haftung''' der Eltern, § 1664 BGB (''diligentia quam in suis'')
 
 
• Ein gutgläubiger Erwerb scheitert daran, dass Bertha gegenüber Martha ihr fehlendes Eigentum offenlegte
 
 
 
Denkbar: Erstarken eines Anwartschaftsrechts
 
 
 
• Aber: Martha könnte von Bertha ein Anwartschaftsrecht auf Erwerb des Eigentums an der Wohnlandschaft erworben haben
 
 
 
• Dieses könnte in dem Moment zum Vollrecht erstarkt sein, als Bertha die letzte Kaufpreisrate an Heinrich bezahlte
 
 
 
• Der Zweiterwerb eines Anwartschaftsrechts vollzieht sich nicht nach §§ 398, 413 BGB, sondern nach §§ 929 ff. BGB
 
 
 
• Martha und Bertha haben sich gem. § 929 S. 1 BGB über die Übertragung von Berthas sämtlichen Rechten an der Wohnlandschaft geeinigt
 
 
 
• Problem: Ist diese Einigung wegen §§ 1366 I, 1369 I, III womöglich unwirksam?
 
 
 
===§ 1369 BGB und das Handeln Dritter===
 
• § 1369 I BGB gilt sowohl für das Verpflichtungs‐ als auch für das Verfügungsgeschäft
 
 
 
• Die Einwilligung in je eines dieser Geschäfte umfasst auch die Einwilligung in das jeweils andere
 
 
 
• Gleiches gilt für nachträgliche Genehmigungen des anderen Ehegatten
 
 
 
Zeitlicher Anwendungsbereich
 
 
 
• Jedenfalls gilt § 1369 BGB während der Dauer des gesetzlichen Güterstands
 
 
 
• Problem: Gilt dieser Einwilligungsvorbehalt auch während des Getrenntlebens?
 
 
 
• Dagegen spricht: Während des Getrenntlebens gibt es keinen ehelichen Haushalt mehr, dessen Funktionsfähigkeit erhalten bleiben müsste
 
 
 
• Dafür spricht: § 1369 BGB dient nicht nur der Funktionsfähigkeit des ehelichen Haushalts, sondern auch der Sicherung des künftigen Anspruchs auf Zugewinnausgleich
 
 
 
Begriff
 
 
 
• Es gilt derselbe Begriff wie bei § 1361a BGB
 
 
 
• Erfasst sind alle beweglichen Sachen, die dem gemeinschaftlichen Leben der Ehegatten im familiären Bereich einschließlich der Freizeitgestaltung zu dienen bestimmt sind
 
 
 
• Entscheidend ist also, ob die Ehegatten einen Gegenstand für die gemeinsame Nutzung „gewidmet“ haben
 
 
 
• Der Einwilligungsvorbehalt des § 1369 BGB gilt auch, wenn Gegenstände dieser Art mehrfach vorhanden sind
 
 
 
=== Die Phase des Getrenntlebens ===
 
 
 
=== Die Bedeutung der Eigentumslage ===
 
Eigentumsverhältnisse am Haushaltsgegenstand
 
 
 
• § 1369 I BGB betrifft Haushaltsgegenstände, die dem rechtsgeschäftlich handelnden Ehegatten gehören
 
 
 
• Diese Formulierung erfasst nicht nur das Eigentum, sondern auch das Anwartschaftsrecht als wesensgleiches Minus
 
 
 
• § 1369 I BGB gilt gewiss, wenn der rechtsgeschäftlich handelnde Ehegatte Alleineigentümer/alleiniger Inhaber eines Anwartschaftsrechts ist
 
 
 
• Problem: Gilt § 1369 I BGB auch, wenn dieser Ehegatte an dem Haushaltsgegenstand lediglich mitberechtigt ist?
 
 
 
• Frage: Gilt § 1369 BGB auch, wenn ein Ehegatte im Alleineigentum des anderen Ehegatten stehende Haushaltsgegenstände veräußert oder sich dazu verpflichtet?
 
 
 
• Dafür spricht: §§ 932 ff. BGB schützen den übergangenen und allein berechtigten Ehegatten nicht
 
 
 
• Dagegen sprechen Wortlaut und Systematik, so dass allenfalls eine analoge Anwendung in Betracht kommt
 
 
 
• Gegen die Analogie spricht: Der Konflikt zwischen dem Bestandsschutz des allein berechtigten Ehegatten und dem erwerbenden Dritten ist abschließend in §§ 932 ff. BGB geregelt
 
 
 
• Frage: Gilt § 1369 BGB auch, wenn ein Ehegatte über einen Haushaltsgegenstand verfügt, der im Alleineigentum eines Dritten steht?
 
 
 
* Beispiel: Unter Eigentumsvorbehalt erworbene Haushaltsgegenstände
 
* Dafür könnte sprechen: Die Funktionsfähigkeit des ehelichen
 
 
 
Haushalts kann auch durch solche Geschäfte beeinträchtigt werden
 
 
 
• Aber: Auch insoweit gilt, dass der Konflikt zwischen Bestandsschutz des Eigentümers und den Erwerbsinteressen Dritter abschließend durch die §§ 932 ff. BGB geregelt ist
 
 
 
• Hinzu kommt: § 1369 BGB regelt lediglich die Rechtsverhältnisse zwischen den Ehegatten
 
 
 
Die fehlende Einwilligung und ihre Folgen
 
 
 
• Für die Folgen der fehlenden Einwilligung gelten die gleichen Regeln wie bei § 1365 BGB
 
 
 
• Das Gleiche gilt für die Konvaleszenz, wenn der gesetzliche Güterstand während der Schwebezeit aufgelöst wird
 
 
 
• Problem: Können § 1369 I, III, § 1366 IV BGB durch gutgläubigen Erwerb gem. §§ 932 ff. BGB überwunden werden?
 
 
 
• Zunächst: § 1369 BGB bewirkt keinen Mangel der Verfügungsbefugnis, sondern ein Verfügungsverbot
 
 
 
• Nach § 135 II BGB können nur relative Verfügungsverbote durch gutgläubigen Erwerb überwunden werden, nicht aber absolute Verfügungsverbote
 
 
 
• § 1369 BGB begründet nach hM aber ein absolutes Verfügungsverbot
 
 
 
==Zugewinnausgleich unter Lebenden==
 
 
 
===Begriff und Ermittlung des Zugewinns===
 
Regelungsgehalt und Systematik des § 1378 BGB
 
 
 
• Grundsatz: Im gesetzlichen Güterstand bleiben die Vermögensmassen der Eheleute selbständig und werden von diesen auch selbständig verwaltet
 
 
 
• Die Ehe wirkt sich erst bei der Beendigung des Güterstandes aus, aus deren Anlass der Zugewinnausgleich stattfindet
 
 
 
• § 1378 BGB: „Übersteigt der Zugewinn des einen Ehegatten den Zugewinn des anderen, so steht die Hälfte des Überschusses dem anderen als Ausgleichsforderung zu.
 
 
 
Sinn und Zweck des Zugewinnausgleichs
 
 
 
• Prämisse: Ab der Eheschließung bildet die Ehe das wirtschaftliche Fundament, auf der die weitere Vermögensentwicklung jedes der beiden Ehegatten aufbaut
 
 
 
• Das bedeutet: Jedes der beiden Vermögen entwickelt sich deshalb so, weil sein Träger in dieser Ehe lebt
 
 
 
• Die eheliche Lebensgemeinschaft wird von beiden Ehepartnern durch gleichwertige Beiträge gestaltet, was einen Anspruch auf Teilhabe am finanziellen Gewinn des jeweils anderen rechtfertigt
 
 
 
Verhältnis zu anderen Modellen der Vermögensauseinandersetzung
 
 
 
• Ausgangspunkt: Der Vermögensbegriff der §§ 1374, 1375 BGB ist umfassend
 
 
 
• Verteilung von Haushaltsgegenständen gem. § 1568b BGB: Dieses Verfahren betrifft nur im Miteigentum der Ehegatten stehende Haushaltsgegenstände
 
 
 
• Ausgleich von Versorgungsanwartschaften nach dem VersAusglG
 
 
 
=== Berechnung der Ausgleichsforderung===
 
Grundsätzliches Vorgehen
 
 
 
• Zunächst wird der Zugewinn eines jeden einzelnen Ehegatten ermittelt
 
 
 
• Der Zugewinn ist in § 1373 BGB definiert als der Betrag, um den das Endvermögen (§ 1375 BGB) das Anfangsvermögen (§ 1374 BGB) übersteigt.
 
 
 
• Sodann werden die beiden Zugewinne miteinander verglichen
 
 
 
• Hat einer der beiden Ehegatten einen höheren Zugewinn als der andere erzielt, so steht dem anderen ein Anspruch auf Zahlung in Höhe der Hälfte des Überschusses zu
 
 
 
Tatsächliches und fiktives Anfangsvermögen
 
 
 
§ 1374 I BGB definiert das sog. „tatsächliche Anfangsvermögen“
 
 
 
• Dieses beläuft sich bei Anton auf 50.000 Euro
 
 
 
• Aber: Nach Maßgabe von § 1374 II BGB sind bestimmte Vermögenserwerbe, die dem Ehegatte erst während des Güterstandes zufließen, dennoch dem Anfangsvermögen zuzuschlagen („fiktives Anfangsvermögen“)
 
 
 
• Hintergrund: Die dort erfassten Erwerbsfälle haben nach Auffassung des Gesetzgebers nichts der ehelichen Lebensgemeinschaft zu tun
 
 
 
Antons fiktives Anfangsvermögen
 
 
 
• Handelt es sich bei den unentgeltlichen Handwerksleistungen seines Vaters um Schenkungen iSd § 1374 II BGB an Anton?
 
 
 
• Es gilt der Schenkungsbegriff des § 518 BGB
 
 
 
• Grundsatz: Die Arbeitsleistung als solche ist kein Vermögensgegenstand, der einem anderen zugewandt werden könnte
 
 
 
• Ausnahme 1: Wegen der erbrachten Arbeitsleistung ist eine Entgeltforderung entstanden, die dem Ehegatten erlassen wird
 
 
 
• Ausnahme 2: Rechtsgedanke des § 1835 II BGB
 
 
 
• Handelt es sich dem Steinway‐Flügel, den Bertha dem Anton geschenkt hat, um eine Schenkung iSd § 1374 II BGB?
 
 
 
• Jedenfalls liegt eine Schenkung iSd § 518 BGB vor
 
 
 
• Aber: Rechtfertigt der Normzweck von § 1374 II BGB, Schenkungen des anderen Ehegatten als fiktives Anfangsvermögen anzusehen?
 
 
 
• Deshalb: Für Schenkungen unter Ehegatten ist § 1374 II BGB teleologisch zu reduzieren
 
 
 
Antons Endvermögen
 
 
 
* Das tatsächliche Endvermögen ist in § 1375 BGB geregelt
 
* Problem: Auf welchen Stichtag ist der Wert dieses Vermögens zu
 
 
 
ermitteln?
 
 
 
• Grundsatz: Auf den Tag, an dem der gesetzliche Güterstand endet
 
 
 
• Aber: Für den Fall der Scheidung legt § 1384 BGB den Stichtag auf die Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags fest
 
 
 
• Ebenso wie es gem. § 1374 II BGB ein fiktives Anfangsvermögen gibt, gibt es gem. § 1375 II BGB auch ein fiktives Endvermögen
 
 
 
• Nach alledem ergibt sich für Anton ein Zugewinn iHv 180.000 Euro
 
 
 
Berthas Anfangsvermögen
 
 
 
• Berthas Anfangsvermögen gem. § 1374 I BGB beläuft sich auf ./. 35.000 Euro
 
 
 
• Hat Bertha das Grundstück iSd § 1374 II BGB mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht erworben?
 
 
 
• Gem. § 1376 I Alt. 2 BGB ist das Grundstück mit dem Wert zur Zeit des Erwerbs dem Anfangsvermögen hinzuzurechnen
 
 
 
• Von diesem Wert sind allerdings etwaige mit dem Erwerbsvorgang verbundene Verbindlichkeiten sowie dingliche Belastungen abzuziehen
 
 
 
• Handelt es sich auch bei dem Lottogewinn um fiktives Anfangsvermögen iSd § 1374 II BGB?
 
 
 
Die Höhe der Ausgleichsforderung
 
 
 
• Für Anton war ein Zugewinn iHv 180.000 Euro zu ermitteln
 
 
 
• Der Zugewinn von Bertha beträgt sogar 335.000 Euro
 
 
 
• Bertha hat somit einen um 155.000 Euro höheren Zugewinn erzielt als Anton
 
 
 
• Nach § 1378 I BGB hat Anton demnach einen Anspruch auf Zahlung von 77.500 Euro
 
 
 
• Die Ausgleichsforderung entsteht gem. § 1378 III BGB mit dem Ende des Güterstandes
 
 
 
• Achtung: § 1378 II 1 BGB begrenzt die Ausgleichsforderung der Höhe nach auf das bei dem Ende des Güterstandes vorhandene Vermögen
 
 
 
Illoyale Vermögensverschiebungen
 
 
 
• Das tatsächliche Endvermögen (§ 1375 I BGB) von Anton beträgt 300.000 Euro
 
 
 
• Aber:Wegen§1375II1Nrn.1und3BGBistdem tatsächlichen Endvermögen der Wert der Gemäldesammlung (700.000 Euro) hinzuzurechnen
 
 
 
• Das führt letztlich zu einem Ausgleichsanspruch der Bertha iHv 500.000 Euro
 
 
 
• Problem: Anton wird einwenden, dass er nun keine 500.000 Euro mehr habe (§ 1378 II 1 BGB)
 
 
 
• Aber: Dieser Einwand wird ihm durch § 1378 II 2 BGB genommen
 
 
 
Vermögensentwicklung nach dem Stichtag
 
 
 
• Auf den Stichtag der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags (§ 1384 BGB) hat Anton ein Endvermögen von 100.000 Euro
 
 
 
• Daraus ergibt sich eine Ausgleichsforderung (§ 1378 I BGB) von Bertha iHv 50.000 Euro
 
 
 
• Darüber hinaus verlegt § 1384 BGB den Stichtag auch für das vorhandene Vermögen iSd § 1378 II 1 BGB auf die Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags
 
 
 
• Frage: Muss § 1384 BGB für den unverschuldeten Vermögensverfall nach dem Stichtag teleologisch reduziert werden?
 
 
 
===Die Unbilligkeitsklausel des § 1381 BGB===
 
 
 
=== Die Anrechnung von Vorausempfängen nach § 1380 BGB===
 
 
 
==Zugewinnausgleich beim Tod eines Ehegatten==
 
 
 
=== Zugewinnausgleich und gesetzliche Erbfolge===
 
 
 
===Zugewinnausgleich und gewillkürte Erbfolge===
 
 
 
===Der Ausschluss des überlebenden Ehegatten vom Nachlass ===
 
 
 
===Zugewinnausgleich und laufendes Scheidungsverfahren===
 
 
 
==Vermögensauseinandersetzung außerhalb des Zugewinnausgleichs==
 
 
 
===Ausdrückliche vertragliche Abreden===
 
 
 
===Das Problem der unbenannten (ehebedingten) Zuwendung===
 
 
 
===Die Ehegatteninnengesellschaft===
 
 
 
=== Wegfall der Geschäftsgrundlage und Bereicherungsausgleich===
 
 
 
==Getrenntleben und Scheidungsvoraussetzungen==
 
 
 
===Begriff und rechtliche Wirkungen des Getrenntlebens===
 
 
 
===Das Scheitern der Ehe und die Regelung des § 1566 BGB===
 
 
 
==Trennungs- und nachehelicher Unterhalt==
 
 
 
===Arten familienrechtlichen Unterhalts===
 
 
 
===StrukturdesUnterhaltsanspruchs===
 
 
 
===Der nacheheliche Unterhalt und seine Berechnung===
 
 
 
==Abstammungsrecht: Vaterschaftsanfechtung insbesondere==
 
 
 
===Der verfassungsrechtliche Hintergrund===
 
 
 
===Elternschaft und Reproduktionsmedizin===
 
 
 
===Vaterschaft und Vaterschaftsanfechtung ===
 
 
 
==Elterliche Sorge==
 
 
 
===Personensorge und Vermögenssorge===
 
 
 
=== Elterliche Sorge und rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht===
 
 
 
=== Grenzen und Verlust der elterlichen Sorge===
 
  
 
==Nichteheliche Lebensgemeinschaft==
 
==Nichteheliche Lebensgemeinschaft==
  
===Begriff und Problem der nichtehelichen Lebensgemeinschaft===
+
* "auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft zwischen zwei Personen verschiedenen oder des gleichen Geschlechts, die daneben keine weitere Lebensgemeinschaft gleicher Art zulässt und sich durch innere Bindungen auszeichnet, die ein gegenseitiges Einstehen der Partner füreinander begründen, also über die Beziehungen in einer reinen Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft hinausgehen.“
 
+
* keine umfassende Anwendung der eherechtlichen Bestimmungen (Art. 6 GG, Privatautonomie der Partner, kein Eheversprechen nach § 1353 BGB)
===Die Beitragsleistung in der bestehenden nichtehelichen Lebensgemeinschaft===
+
** kein Zugewinnausgleich
 
+
** kein Versorgungsausgleich
===Vermögens- und Besitzverhältnisse in der nichtehelichen Lebensgemeinschaft===
+
** kein Ehegattenunterhalt
 +
* aber: rechtliche Behandlung einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft wie eine schlichte Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft wäre eine Gleichbehandlung von wesentlich Ungleichem, Verstoß gegen Art. 3 I GG, daher:
 +
**'''begrenzter Betreuungsunterhalt''', § 1615l BGB (≈ § 1570 I 1 BGB)
 +
** Ausgleich '''unbenannter Zuwendungen''' (≈ Zugewinnausgleich)
 +
{| class="wikitable"
 +
!
 +
!Ehegatten und Lebenspartner
 +
!Unverheiratete Lebensgefährten
 +
|-
 +
|echte Geschenke
 +
|§§ 527 ff. BGB
 +
|§§ 527 ff. BGB
 +
|-
 +
|unbenannte Zuwendungen
 +
|§§ 1371 ff. BGB
 +
|§ 313 BGB (nicht bei Zuwendungen, die nur dem täglichen Zusammenleben dienen)
 +
§ 812 I 2 Alt. 2 BGB (scheidet aus, soweit keine Zweckvereinbarung getroffen wurde)
 +
|-
 +
|gemeinsamer Vermögensaufbau
 +
|§§ 730 ff. BGB
 +
|§§ 730 ff. BGB (setzt voraus, dass im Einzelfall ein über das bloße Zusammenleben hinausgehender gemeinsamer Zweck verfolgt wird)
 +
|}
  
===Haftungsfragen der nichtehelichen Lebensgemeinschaft===
+
== <code>FamFG</code> ==
  
===Die Abwicklung der beendeten nichtehelichen Lebensgemeinschaft===
+
* Zivilgerichtsbarkeit
 +
* freiwillige Gerichtsbarkeit
 +
* einvernehmliche/einverständliche Scheidung

Aktuelle Version vom 20. Juli 2022, 16:17 Uhr


Allgemeines

  • Ritual, Feierlichkeit, Außenwirkung
  • Wirkungen der Ehe: Rechte und Pflichten
    • Ehegattensplitting (§ 32a V EStG)
    • Freibeträge bei der Erbschaft-/Schenkungssteuer (§ 16 I ErbStG)
    • Zeugnisverweigerungsrecht (§ 383 I Nr. 1 ZPO, § 52 I Nr. 1 StPO)

Verlöbnis

Verlobung

Rechtsnatur

  • §§ 1297-1302 BGB
  • Heiratsversprechen, Vorvertrag/Vertrag sui generis
  • unverbindlich (nicht einklagbar gem. § 1297 I BGB), Zweck daher: Rückabwicklung gescheiterter Verlöbnisse
  • Verlöbnis trotz bestehender Ehe: sittenwidrig (Schadensersatz gem. §§ 1299, 1298 BGB analog)
  • Kranzgeld (weggefallener § 1300 BGB): Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen.
  • Verlöbnis Minderjähriger: §§ 106, 110 BGB
  • Verlobte sind Angehörige i.S.d. § 11 I Nr. 1a StGB (zeugnisverweigerungsberechtigt)
Tatsächlichkeitstheorie Vertragstheorie Vertrauenshaftungstheorie
tatsächliches Phänomen des sozialen Lebens, Zustandekommen durch Konsens im natürlichen Willen, lediglich Einsichtsfähigkeit erforderlich (Unverbindlichkeit, aber: Konsequenzen aus §§ 1298-1301 BGB) gewöhnlicher bürgerlich-rechtlicher Vertrag, Austausch von Willenserklärungen, Geschäftsfähigkeit (rechtssichere Handhabung, fehlende Klagbarkeit, jederzeitige einseitige Lösungsmöglichkeit, aber: Minderjährige im Zweifel schutzlos) Schuldverhältnis i.S.d. § 311 II BGB, Regelungen der Rechtsgeschäftslehre kommen analog zur Anwendung, löst Problem der fehlenden primären Leistungspflicht, gewährleistet Schutz des zuwendenden Minderjährigen

Ersatz- und Rückforderungsansprüche

Aufbauschema: Rückgabe der Geschenke gem. § 1301 BGB

1. Eheschließung unterblieben

2. Herausgabe nach den Regeln der ungerechtfertigten Bereicherung, §§ 812 ff. BGB

  • zum Zeichen des Verlöbnisses gemachte Zuwendung verliert später ihren Sinn
  • h.M.: Sonderfall des Wegfalls der Geschäftsgrundlage, Rechtsfolgenverweis auf §§ 812 ff. BGB (Anwendbarkeit des § 815 Alt. 2 BGB: Verhinderung des Erfolgseintritts wider Treu und Glauben)
  • Geschenk: teleologische Reduktion durch BGH (keine Anstandsgeschenke, kleinere Aufmerksamkeiten und Aufwendungen für die Deckung des gemeinsamen Bedarfs im Hier und Jetzt)
  • Verlöbniszeichen (z.B. Verlobungsring): gem. §§ 133, 157 BGB (grds. enges Verständnis)

Aufbauschema: Ersatzpflicht beim Rücktritt vom Verlöbnis gem. §§ 1299, 1298 BGB

1. Wirksames Verlöbnis (korrespondierende Willenserklärungen)

  • Rechtsnatur
    • Vertragstheorie (h.M.): Geschäftsfähigkeit (gewährleistet Rechtssicherheit Minderjähriger)
    • Familienrechtlicher Vertrag: Verlöbnisfähigkeit (geistige Reife)
    • Vertrauenstheorie: keine Geschäftsfähigkeit erforderlich
  • Doppelverlöbnis: analoge Anwendbarkeit nach h.M. trotz bereits bestehender Ehe (Sittenwidrigkeit, § 138 I BGB)

2. Rücktritt eines Verlobten

3. durch den anderen Teil verschuldet

  • wichtiger Grund

4. Rechtsfolge

  • Ersatz von vergeblichen ("frustrierten") Aufwendungen, z.B. Ehering (Vertrauensschaden)

Ersatzpflicht gem. § 1298 BGB

  • auch Dritte können sich auf § 1298 BGB berufen
  • Gedanke des enttäuschten Vertrauens
  • in Erwartung der Ehe: Kausalität, zeitliche Komponente, sachlicher Bezug
  • Angemessenheit (Abs. 2): mit Einverständnis des Zurückgetretenen? Lebensstandardvergleich
  • Ausschluss bei wichtigem Grund (Abs. 3)

Eingehung der Ehe

Eheringe

Ehe als bürgerlichrechtlicher Vertrag

  • schließt gleichzeitige Mehrfachehen aus ("Grundsatz der Einpaarigkeit")
  • gleichgeschlechtliche Partnerschaften: Lebenspartnerschaft gem. § 1 LPartG (nicht mehr relevant)
    • Ehe für alle (§ 1353 I 1 BGB), kein Abstandsgebot mehr (Art. 6 GG)
  • Rechtsnatur nicht eindeutig: wirkt nicht nur relativ zwischen den Parteien, sondern verändert zugleich Personenstand
    • öffentlich-rechtliche Rechtsfolgen (kontextualisiert)
    • Bedürfnis nach Rechtssicherheit
    • eigene rechtsgeschäftliche Regelungen

Vertragsschluss und Wirkungen

  • Ehemündigkeit
    • unter 16 Jährige: Ehe unwirksam, § 1303 S. 2 BGB
    • 16- und 17-Jährige: Ehe aufhebbar, §§ 1303 S. 1, 1314 I Nr. 1 BGB
    • Volljährige: Ehe wirksam, § 2 BGB
  • Eheverbote, §§ 1306-1308 BGB: bestehende Ehe (Polygamie, § 172 StGB), Verwandtschaft, Annahme als Kind (Adoption)
  • höchstpersönliches Geschäft, § 1311 BGB: keine Stellvertretung, keine sukzessive Eheschließung
  • bedingungs- und befristungsfeindlich
  • Ablauf der Trauung, § 1312 BGB
  • Ehename, § 1355 BGB
  • Relativität der Schuldverhältnisse, dennoch: Gesamtschuldnerschaft gegenüber Dritten (§ 1357 I BGB)

Fehler und Fehlerfolgen

  • Eheaufhebung: §§ 1313, 1314 BGB
  • Standesbeamter, § 2 PStG (Urkundsperson)
  • § 1310 II BGB: objektive Anknüpfung an das Amt

Haftungsrecht in der Ehe

  • allgemeine Ehewirkungen: §§ 1353-1362 BGB
  • auch (ungeschrieben): vermögens- und haftungsrechtlich

Aufbauschema: Eheherstellungsantrag gem. § 1353 I 2 BGB

  • Anspruch auf Unterlassung einer ehewidrigen (außerehelichen) Beziehung mit einer dritten Person

1. Pflicht zur ehelichen Lebensgemeinschaft

  • rechtlich verbindliche Schicksals- und Solidargemeinschaft
  • "historisch erfahrbare soziokulturelle Überlieferung"
  • häusliche Gemeinschaft
  • Geschlechtsgemeinschaft einschließlich ehelicher Treue
  • gegenseitige Rücksichtnahme und Beistand
  • P: Ehegatten können einvernehmlich von diesem Leitbild abweichen
  • gesetzliche Konkretisierung (§ 1360 S. 1 BGB): Unterhaltspflicht (Barunterhalt und Naturalunterhalt)

2. kein Ausschluss

  • Verlangen des anderen Ehegatten stellt sich als Missbrauch dar
  • Ehe gescheitert (§ 1353 II BGB): § 1565 I 2 BGB
    • Lebensgemeinschaft besteht nicht mehr und Wiederherstellung kann nicht erwartet werden
      • § 1566 I, II BGB: unwiderlegbare Vermutungen für das Scheitern
        • Getrenntleben seit einem Jahr und Scheidung beantragt oder Antragsgegner hat Scheidung zugestimmt
        • Getrenntleben seit drei Jahren

3. Vollstreckbarkeit

  • § 120 III FamFG: stattgebender Beschluss hat nur Appellwirkung und ist nicht vollstreckbar (keine staatlichen Zwangsmaßnahmen im Bereich der personalen Ehepflichten)
  • Ehestörungsantrag gem. §§ 1004, 823 I BGB (gegen Partner)
    • quasi-negatorischer Unterlassungsanspruch
    • absolut geschütztes Recht (-), da Ehe ein relatives Rechtsverhältnis begründet
  • Ehestörungsantrag gem. §§ 1004, 823 I BGB (gegen Dritten)
    • (-), denn die Durchsetzung des Anspruchs gegen außerehelichen Partner hätte für den Ehegatten faktisch die gleiche Wirkung wie eine Vollstreckung gegen ihn selbst

Aufbauschema: Ehestörungsantrag gem. §§ 1004, 823 I BGB analog

1. absolut geschütztes Recht

  • nicht Ehe als solches
  • räumlich-gegenständlicher Bereich der Ehe ("sonstiges Recht")

2. Anspruchsgegner als Störer (Partner oder Dritter)

  • Handlungsstörer: adäquat kausales Tun oder pflichtwidriges Unterlassen
  • Zustandsstörer: jeder, der die Herrschaft über eine gefahrbringende Sache ausübt, durch welche die Störung allein oder mitverursacht wird, wenn die Beseitigung der Störung vom Willen des Störers abhängt

3. Wiederholungsgefahr

4. keine Duldungspflichten

5. Vollstreckbarkeit

  • § 120 III FamFG bezieht sich auf die Verurteilung zur Herstellung des ehelichen Lebens, nicht auf Schutz des räumlich-gegenständlichen Bereichs der Ehe

Besitzschutz unter Ehegatten

  • Anspruch wegen Besitzentziehung gem. § 861 I BGB
    • verbotene Eigenmacht, § 858 I BGB (Besitzentziehung/-störung ohne den Willen des Besitzers und ohne Gestattung durch das Gesetz)
      • Einschränkung durch § 866 BGB (Mitbesitz): Besitzschutz kommt nur in Betracht, wenn es sich nicht nur um die Grenzen des Gebrauchsrechts des einzelnen Mitbesitzers handelt
    • Anspruchsteller war Besitzer
    • Anspruchsgegner ist fehlerhafter Besitzer, § 858 II BGB
    • kein Ausschluss nach § 861 II BGB (Anspruchsteller selbst im fehlerhaften Besitz)
    • kein Erlöschen nach § 864 BGB
    • keine petitorischen Einwendungen, § 863 BGB
      • nicht möglich: Berufung auf Eigentumsrechte
    • Ausschluss wegen § 1361a I BGB: jeder Ehegatte kann die ihm gehörenden Haushaltsgegenstände beim Getrenntleben von anderen Gatten herausverlangen (lex specialis?)

Schadensersatzansprüche

  • Innenverhältnis: rechtliche Sonderbeziehung mit Pflichten, bei deren Verletzung eine Haftung nach § 280 I BGB grds. in Betracht kommt
    • aber: durch ständige räumliche Nähe entsteht erhöhte Schädigungsgefahr
    • aber: zwischen Eheleuten besteht idealerweise ein emotionales Band
    • also nicht unbedingt sachgerecht, haftungsrechtliche Beziehungen zwischen Ehegatten ebenso zu behandeln wie zwischen beliebigen Dritten
  • Außenverhältnis: haftungsrechtliche Konsequenzen gegenüber Dritten
    • Schadensersatz vom untreuen Ehegatten oder von dessen Affäre?
  • Haftungsprivileg des § 1359 BGB
    • eigenübliche Sorgfalt (diligentia quam in suis)
    • Stillhaltepflicht aus § 1353 I 2 BGB
    • unzulässige Klage

Schadensersatz wegen der Verletzung vermögensrechtlicher Pflichten

  • deliktische Jedermannspflichten in der Ehe: § 280 I i.V.m. § 1353 I 2 BGB

Schlüsselgewalt

  • Durchbrechung der Relativität der Schuldverhältnisse (Gesamtschuldner-/Gesamtgläubigerschaft): gesetzliche Verpflichtungsermächtigung (Gläubigerschutz)
  • reziproke Solidarhaftung
  • Gestaltungsrechte (str.): Wer ist Inhaber des Widerrufsrechts und von sekundären Ansprüchen?
  • Drittwiderspruchsklage (Zwangsvollstreckung)
  • Automatischer Erwerb von Miteigentum?
  • Ausnahme: Geschäft für den, den es angeht

Aufbauschema: Schlüsselgewalt gem. § 1357 BGB

  • unabhängig vom Güterrecht
  • keine Stellvertretung, §§ 164 ff. BGB (keine Offenkundigkeit)
  • Vertretungsmacht folgt aus § 1357 BGB

1. wirksame Ehe bei Vertragsschluss

  • kein Getrenntleben, § 1357 III BGB (bzgl. häuslicher Gemeinschaft)

2. Geschäft zur angemessenen Deckung des Lebensbedarfs

  • auch Ausgaben für geistige, kulturelle oder politische Zwecke
  • angemessen: nach Art und Umfang den durchschnittlichen Lebensgewohnheiten von Familien in vergleichbarer sozialer Lage entsprechend

3. es darf sich aus den Umständen nichts anderes ergeben (§ 1357 I 2 a.E. BGB)

4. kein wirksamer Ausschluss gem. § 1357 II BGB

Sachenrecht & Güterrecht

Sachenrecht in der ehelichen Lebensgemeinschaft

  • zwischen Ehegatten, gegenüber Gläubigern
  • Ehe beeinflusst Güterzuordnung nicht (außer in Gütertrennung)
  • § 861 I BGB: Mitbesitz, § 868 BGB (bei Entzug)
  • § 1361a BGB: § 1567 I BGB, § 985 BGB
  • Ehegatte beim Erwerb: Stellvertreter des anderen Ehegatten
  • verdecktes Geschäft für den, den es angeht (Bargeschäfte des alltäglichen Lebens)
  • Erwerbswille auch für den anderen Ehegatten als allgemeine Einwilligung (§ 1568b II BGB)
    • Haushaltsgegenstände
    • Geschäft mit Bezug zur gemeinsamen Lebensführung
    • Alleineigentum bei Freizeitgestaltung gerade des einen
    • Kapitalanlagen aus eigenem Vermögen

Eheleute und ihre Gläubiger

  • Eigentumsvermutung, § 1362 BGB
    • Vermutung, dass bewegliche, im Besitz eines oder beider Ehegatten befindlichen Sachen im Eigentum des jeweiligen Schuldners stehen
    • Gläubigerschutz
    • auf alle Güterstände anwendbar (allgemeine Anwendung)
    • Sonderregelung zu § 1006 BGB
  • § 808 ZPO erlaubt Pfändung und setzt Gewahrsam voraus
    • kein Mitbesitz, nur unmittelbarer Alleinbesitz
  • § 739 I 1 ZPO vermutet Gewahrsam und setzt Eigentumsvermutung voraus
  • § 1362 I 1 BGB vermutet Eigentum und setzt Besitz voraus
    • Nachweis des früheren Alleinbesitzers genügt, um Eigentumsvermutung des § 1362 BGB entgegenzuwirken (BGH)
    • § 1362 II BGB: persönlicher Gebrauch eines Ehegatten
    • § 771 ZPO (Drittwiderspruchsklage): Vindikation in Zwangsvollstreckung (durch Veräußerung hinderndes Recht)

Verhältnis zu anderen familienrechtlichen Regeln über das Vermögen

  • Eherecht regelt ganz allgemein das Zusammenleben der Eheleute in der ehelichen Lebensgemeinschaft
  • Güterrecht regelt im Besonderen, ob inwieweit die eheliche Lebensgemeinschaft auch eine Gemeinschaft des Vermögens und der Vermögensverwaltung bedeutet
  • Verhältnis zu anderen vermögensrechtlichen Regelungen des Eherechts: nur dort Raum, wo das eheliche Güterrecht keine abschließende Regelung getroffen hat; Vermögenszuordnung über die allgemeinen Ehewirkungen wird weitestgehend verdrängt

Güterstände

gesetzlich vertraglich
Zugewinngemeinschaft Gütergemeinschaft Gütertrennung
§ 1363 I BGB §§ 1415-1518 BGB § 1414 BGB
  • Die Vermögensmassen der Eheleute bleiben auch nach der Eheschließung selbständig
  • auf dinglicher Ebene keine Vermögensgemeinschaft zwischen den Eheleuten
  • Endet die Zugewinngemeinschaft unter Lebenden, erwirbt der eine Ehegatte gegen den anderen einen schuldrechtlichen Ausgleichsanspruch aus § 1378 I BGB
  • Endet die Zugewinngemeinschaft durch den Tod eines Ehegatten, erfolgt der Zugewinnausgleich nach Maßgabe von § 1371 BGB
  • einheitliche Vermögensmasse, das sog. Gesamtgut (gesamthänderisch gebunden)
  • Nach § 1416 I BGB zählen zu dem Gesamtgut sowohl das Vermögen, das den Ehegatten bei der Vereinbarung dieses Güterstandes gehört, als auch dasjenige, das während der Ehe erworben wird
  • Ausgenommen ist nur das Sondergut und das Vorbehaltsgut gem. §§ 1417, 1418 BGB
  • Revokationsrecht, § 1428 BGB
  • Vergemeinschaftet werden nur die Aktiva, nicht auch die Schulden
  • Im Verhältnis zur Zugewinngemeinschaft bleibt es bei den getrennten Vermögensmassen und es entfällt lediglich der schuldrechtliche Ausgleichsanspruch am Ende des Güterstandes
  • Die vermögensrechtlichen Beziehungen der Eheleute zueinander werden hier ausschließlich durch allgemeine Regeln, allgemeine Ehewirkungen und das Nebengüterrecht geregelt
  • nicht automatisch ausgeschlossen: Versorgungsausgleich (Rentenanwartschaft), § 1408 II BGB

Ehevertrag

  • Vertrag, durch den die Eheleute ihre güterrechtlichen Verhältnisse regeln (§ 1408 BGB)
  • bedarf gem. § 1410 BGB der notariellen Form
  • Sittenwidrigkeit, § 138 I BGB (Inhalts- und Umstandssittenwidrigkeit)
    • Ausgangspunkt: Privatautonomie, aber: evident einseitige Lastenverteilung (gestörte Vertragsparität, Übervorteilung)
    • aufgrund äußerer Umstände (umso stärker rechtfertigungsbedürftig, je stärker sie in den Kernbereich des Ehe- und Scheidungsfolgenrechts eingreifen)
  • Inhalts-/Ausübungskontrolle gem. § 242 BGB (Treuwidrigkeit)

Nebengüterrecht

  • Vermögensauseinandersetzung außerhalb des Zugewinnausgleichs
  • Lückenhaftigkeit der güterrechtlichen Modelle, nicht angemessen erfasst sind namentlich:
    • Konkrete vertragliche Beziehungen zwischen den Eheleuten (z.B. Arbeitsvertrag)
    • Abwicklung von Leistungstransfers ohne ausdrückliche vertragliche Grundlage (sog. „ehebedingte Zuwendung“)
    • Beteiligung eines Ehegatten an einem gemeinsam geschaffenen Vermögenswert, der im Außenverhältnis nur dem anderen zugewiesen ist
  • Instrumente des Güterrechts sind Allgemeine zivilrechtliche Institute und Schöpfungen richterlicher Rechtsfortbildungen aufgrund allgemeiner zivilrechtlicher Regeln

Abwicklung konkreter Verträge

  • Unabhängig von Ehe und unabhängig vom Güterstand wird Vertrag zwischen Eheleuten nicht anders abgewickelt als Vertrag zwischen beliebigen Dritten
  • Maßgeblich ist Leistungsprogramm, das Eheleute in ihren jeweiligen Willenserklärungen fixiert haben
  • evtl. problematisch: Feststellung des Rechtsbindungswillens oder § 117 BGB (Scheingeschäft)
  • Ende der Ehe oder des Güterstands führt nicht zur Beendigung laufender Verträge zwischen Eheleuten
  • Vertrag wird also bis zur ordentlichen oder außerordentlichen Beendigung nach einschlägigen schuldrechtlichen Regeln fortgeführt
  • Aber: Sofern Ansprüche und Schulden aus diesen Verträgen bestehen, sind sie beim jeweiligen Ehegatten als Aktiva bzw. Passiva beim Endvermögen gem. § 1375 BGB zu berücksichtigen (Zugewinnausgleich)

Ehebedingte Zuwendung

  • Aufwendungsersatzanspruch aus § 670 BGB
    • BGH: Leistungen, die ein Partner während des Bestehens des Zusammenlebens und mit Rücksicht auf die Partnerschaft sowie auf die gemeinschaftliche Lebensführung erbringt („ehebedingte Zuwendung“), sind nicht auszugleichen („Grundsatz der Nichtausgleichung“)
    • Argument: Die Leistungen werden aufgrund der engen persönlichen Beziehung erbracht und weisen einen starken Bezug zum ehelichen Unterhalt (§ 1360 BGB) auf
    • Ein Ausgleich findet nur aufgrund konkreter vertraglicher Abreden statt
  • GoA: Anspruch aus § 670, § 683 Satz 1, § 677 BGB?
    • Fremdgeschäftsführungswille wird vermutet, wenn das Geschäft bereits nach seinem äußeren Zuschnitt in einen fremden Rechtskreis fällt
    • Aber: In den Fällen der ehebedingten Zuwendung ist die Vermutung für das Handeln mit Fremdgeschäftsführungswillen widerlegt
    • Argument: Ehebedingte Zuwendungen werden mit Rücksicht auf einen gemeinsamen Interessenkreis getätigt
  • Anspruch aus § 812 I BGB?
    • Hier beabsichtigt der Zuwendende, den Empfänger zu einem Verhalten zu veranlassen, auf das er keinen rechtlichen Anspruch hat
    • Aber BGH: Bei der ehebedingten Zuwendung kommt auch das nicht in Betracht
  • Anspruch aus Nichtleistungskondiktion gem. § 812 I 1 Alt. 2 BGB?

Schaffung eines gemeinschaftlichen Vermögenswerts

  • gemeinsame Schaffung eines hohen Vermögenswerts, der dinglich nur einem der beiden Ehegatten zugewiesen ist
  • Hier könnte ein unbedingtes Festhalten am Grundsatz der Nichtausgleichung zu Schwierigkeiten mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit führen
  • Ausgleichsanspruch analog § 738 I 2 BGB
    • Eheleute müssen in Bezug auf einen Vermögensgegenstand eine sog. BGB‐Innengesellschaft in Form einer Beteiligungsgesellschaft geschlossen haben
    • Vermögensgegenstand bleibt im Außenverhältnis alleiniges Vermögen eines der beiden Ehegatten
    • Lediglich im Innenverhältnis wird vereinbart, dass beide Ehegatten an diesem Gegenstand beteiligt sein sollen
    • Ausgleichsanspruch entsteht, sobald die im Innenverhältnis vereinbarte Beteiligungsgesellschaft endet (durch Trennung oder Stellung des Scheidungsantrags)
    • Maßgeblich: Objektiver Empfängerhorizont gem. §§ 133, 157 BGB
    • Gemeinsamer Aufbau eines erheblichen Vermögenswerts, der über die Verwirklichung der ehelichen Lebensgemeinschaft hinausgeht
    • Beide Ehegatten müssen an diesem Aufbau funktionell gleichwertig mitgewirkt haben
    • Ausgleich des Nichteigentümer‐Ehegatten darf nicht auf andere Weise angemessen ausgeglichen sein (durch Vertrag, durch Zugewinnausgleich)
  • Anpassung und Ausgleichung gem. § 313 BGB
    • BGH: Erwartung, dass die Ehe Bestand haben werde und der Nichteigentümer‐Ehegatte deshalb von seiner Mitarbeit weiter profitieren werde, kann Geschäftsgrundlage i.S.d. § 313 I BGB sein
    • Dafür genügt bereits die Zuwendung eines beträchtlichen Vermögenswerts, ohne dass die Voraussetzungen einer Ehegatten‐Innen‐GbR gegeben wären
    • Scheitert die Ehe, entfällt die Geschäftsgrundlage und es greifen die Anpassungsmechanismen des § 313 I BGB
    • Aber: Anpassung und Ausgleich finden auch hier nicht statt, wenn anderweitig ein angemessenes Ausgleich erfolgt

Zugewinngemeinschaft

  • § 1363 II BGB: kein gemeinschaftliches Vermögen (anders bei Gütergemeinschaft), lediglich Ausgleich des Zugewinns nach Ende der Zugewinngemeinschaft
  • § 1357 I 2 BGB: keine dingliche Wirkung

Verfügungen über das Vermögen im Ganzen, § 1365 BGB

  • Ausnahme der Selbständigkeit des § 1364 BGB
  • Vermögen ist gem. § 1360 BGB Quelle des Familienunterhalts
  • Erhalt der wirtschaftlichen Grundlage der ehelichen Lebensgemeinschaft und Sicherung des künftigen Anspruchs auf Zugewinnausgleich (Schutz vor illoyalen Vermögensverschiebungen)
  • Einwilligungsbedürftig ist Verpflichtungsgeschäft und Verfügungsgeschäft (wenn Ehegatte nicht eingewilligt hatte) – sonst schwebende Unwirksamkeit
  • "Vermögen im Ganzen" (ab 90 %)
    • Einzeltheorie (h.M.): auch einzelne Geschäfte können Gesamtvermögensgeschäfte sein
    • Gesamttheorie: Gesamtvermögensgeschäft mit tatsächlich gesamten Vermögen zum Gegenstand
  • Schutz des Rechtsverkehrs (Kenntnis nicht erforderlich vs. subjektive Theorie – Zeitpunkt der Anwendung): keine Anwendung der §§ 1365, 1366 BGB?
  • Gegenleistung ist nicht zu berücksichtigen (§ 1365 I BGB differenziert nicht zwischen entgeltliche und unentgeltlichen Rechtsgeschäften)

Verfügungen über Haushaltsgegenstände, § 1369 BGB

  • Beschränkung der Selbstverwaltung des eigenen Vermögens (Motive wie bei Verfügungen über das Vermögen im Ganzen)
  • Einwilligungsvorbehalt auch während des Getrenntlebens?
  • Begriff wie bei § 1361a BGB (keine persönliche Habe, keine Gewährleistungsrechte): alle beweglichen Sachen, die dem gemeinschaftlichen Leben der Ehegatten im familiären Bereich einschließlich der Freizeitgestaltung zu dienen bestimmt sind (Widmung zur gemeinsamen Nutzung)
  • Einwilligungsvorbehalt des § 1369 BGB gilt auch, wenn Gegenstände dieser Art mehrfach vorhanden sind
  • Eigentumsverhältnisse am Haushaltsgegenstand: umfasst auch Anwartschaftsrecht als wesensgleiches Minus (Wirkung bei Miteigentum)? Oder wenn Haushaltsgegenstand im Alleineigentum eines Dritten (Eigentumsvorbehalt)?

Revokationsrecht, § 1368 BGB

  • gesetzliche Prozessstandschaft
  • Aktivlegitimation (z.B. für Anspruch aus § 894 BGB)
  • Ansprüche aus § 985 BGB
    • Kenntnis der Ehe aus Sicht des Dritten unerheblich
    • verweigerte Genehmigung i.S.d. §§ 1365 I, 1369 I BGB bewirkt Unwirksamkeit des dinglichen Geschäfts und des Kaufvertrags
    • Herausgabe kann nach h.M. nur an den Eigentümer verlangt werden

Konvaleszenz

  • schwebende Unwirksamkeit begründende Umstand fällt während des Schwebezustands weg
  • § 108 III BGB
  • Geschäft wird wirksam („konvalesziert“), wenn während der Schwebezeit der Schutzzweck, im Hinblick auf den die schwebende Unwirksamkeit angeordnet wurde, entfällt

Aufbauschema: Zugewinnausgleich beim Tod eines Ehegatten gem. §§ 1371, 1931 BGB

  • § 1371 BGB (pauschaler Zugewinnausgleich, gesetzliche Erbfolge)
    • gesetzlicher Erbteil (§ 1931 BGB) 1/4 + 1/4 (§ 1371 I BGB: unerheblich, ob Zugewinn erzielt wurde)
  • § 1371 II BGB (überlebender Ehegatte wird nicht Erbe, gewillkürte Erbfolge)
    • kleiner Pflichtteil (§ 1931 I, 2303 BGB) 1/8 + Zugewinn (§§ 1383-1390 BGB)
    • großer Pflichtteil (m.M.): (§§ 1931 I + 1371 I BGB) + § 2303 BGB = 1/4

Aufbauschema: Zugewinnausgleich unter Lebenden gem. § 1378 BGB

1. Güterstand

  • Zugewinngemeinschaft, § 1363 I BGB

2. Maßgeblicher Zeitpunkt

  • Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags, § 1384 BGB

3. Berechnung

  • Zugewinn: § 1373 BGB (Betrag, um den das Endvermögen das Anfangsvermögen übersteigt)
    • Anfangsvermögen, § 1374 BGB (tatsächlich): nach Abzug der Verbindlichkeiten
      • § 1374 II BGB (fiktiv): Hinzurechnung von Vermögen, das durch Erbrecht erworben wird, Schenkungen oder Ausstattungen (h.M. nur bzgl. Schenkungen von Dritten)
    • Endvermögen, § 1375 BGB (tatsächlich): nach Abzug der Verbindlichkeiten
      • § 1375 II BGB (fiktiv): Hinzurechnung unentgeltliche Zuwendungen, Verschwendungen, Benachteiligungen

4. Ausgleichsanspruch

  • § 1378 BGB: in Höhe der Hälfte der Differenz zwischen Zugewinn des einen und Zugewinn des anderen
  • Anrechnung von Vorausempfängen nach § 1380 BGB

5. Verjährung (§§ 195, 199 BGB)

6. Leistungsverweigerungsrecht wegen grober Unbilligkeit

  • § 1381 BGB
  • Verteilung von Haushaltsgegenständen gem. § 1568b BGB: Dieses Verfahren betrifft nur im Miteigentum der Ehegatten stehende Haushaltsgegenstände
  • Ausgleich von Versorgungsanwartschaften nach dem VersAusglG
  • § 1384 BGB verlegt den Stichtag für das vorhandene Vermögen i.S.d § 1378 II 1 BGB auf die Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags
    • muss § 1384 BGB für den unverschuldeten Vermögensverfall nach dem Stichtag teleologisch reduziert werden?
  • Unbilligkeitsklausel des § 1381 BGB
  • Abdingbargkeit des Zugewinnanspruchs, § 1378 III 2 BGB (notarielle Beurkundung)

Getrenntleben und Scheidungsvoraussetzungen

§ 1564 BGB (Scheidung), Voraussetzungen: Scheitern gem. § 1565 BGB (Zerrüttungsprinzip, früher: Verschuldensprinzip)
  • Trennung, § 1567 BGB
  • Versöhnungsversuche, § 1567 II BGB
Scheidung nur bei unzumutbarer Härte, § 1565 II BGB 1 Jahr nach Trennung (Trennungsjahr, Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft) Scheidung bei Einvernehmen der Eheleute oder positiver Feststellung des Scheiterns, § 1566 I BGB 3 Jahre nach Trennung, § 1566 II BGB (unwiderlegliche Vermutung)
  • Scheidung stets möglich
  • Härteklausel (§ 1568 BGB)
  • § 1567 I BGB: Getrenntleben (Trennungswille z.B. im Auszug erkennbar)
  • § 1361b BGB: Ehewohnung bei Getrenntleben (Trennungsabsicht genügt, auch ohne räumliche Trennung)
    • unbillige Härte: Gesamtabwägung der Umstände des Einzelfalls (Zumutbarkeit, Kindeswohl)
    • Zuweisung: zeitlich befristete Überlassung (bis Rechtskraft der Scheidung)

Unterhalt

Aufbauschema: Unterhalt

1. Anspruchsgrundlage

2. Bedarf

3. Bedürftigkeit des Unterhaltsberechtigten

4. Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen

5. Sonstige Probleme, z.B.

  • Unterhaltsverzicht
  • Härtefall
  • Unterhalt für die Vergangenheit

Verwandtenunterhalt, §§ 1601 ff. BGB

  • Verwandte einander in gerader Linie, § 1601 BGB (Anspruch des Kindes selbst)
    • Abgrenzung
      • § 1570 BGB: Anlass der geschiedenen Ehe
      • § 1615l BGB: Anlass der Geburt
        • § 1615l I BGB: sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt
        • § 1615l II 1 BGB: neun Wochen bis drei Jahre nach der Geburt (bei durch Schwangerschaft oder Entbindung verursachten Krankheit der Mutter)
        • § 1615l II 2, 3 BGB: grds. bis drei Jahre nach der Geburt (Betreuungsunterhalt)
        • § 1615l II 4, 5 BGB: Verlängerung des Zeitraumes, soweit dies der Billigkeit entspricht
    • Rangverhältnisse: § 1606 BGB
  • Bedürftigkeit des Berechtigten, § 1602 BGB
  • Unterhaltsmaß, § 1610 BGB
  • Leistungsfähigkeit der Verpflichteten, § 1603 BGB
  • Art der Unterhaltsgewährung: § 1612 BGB (§ 1606 III 2 BGB)
  • bei nicht (mehr) miteinander verheirateten Eltern wird das Kind durch den betreuenden Elternteil gem. § 1629 II 2 BGB vertreten
  • Ausbildungsunterhalt, § 1601 i.V.m. § 1610 II BGB (auch bei Weiterbildung und nicht Zweitausbildung)
    • enger sachlicher Zusammenhang
    • enger zeitlicher Zusammenhang
    • finanzielle Angemessenheit des Studiums
Zeitpunkt Während der Ehe Während des Getrenntlebens ab Rechtskraft der Scheidung
Normen §§ 1360, 1360a BGB § 1361 BGB §§ 1569 ff. BGB
Unterhaltstatbestände Familienunterhalt Trennungsunterhalt
  • Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten
  • Unterhaltsausschluss nicht möglich (keine Dispositionsbefugnis)
  • Härteklausel
Betreuungsunterhalt, Altersunterhalt, Krankheitsunterhalt, Arbeitslosenunterhalt, Ausbildungsunterhalt, Unterhalt aus Billigkeitsgründen
  • Bedürftigkeit des Berechtigten, § 1577 BGB
  • Unterhaltsmaß, § 1578 BGB
  • Leistungsfähigkeit des Verpflichteten, § 1581 BGB
Verweisungen §§ 1613-1615 BGB §§ 1360a III, IV sowie 1360b, 1605 BGB
  • Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit, § 1569 BGB
  • Unterhalt für die Vergangenheit, §§ 1585b II, 1613 I 2 BGB i.S.v. § 1573 I BGB (frühestens ab Rechtshängigkeit oder Verzug)

Abstammungsrecht

Familie
Verwandtschaft
  • Verwandtschaft, § 1589 BGB
    • gerade Linie: Kinder/Eltern
    • Seitenlinie: Geschwister
    • Grad: Zahle der vermittelnden Geburten
  • Schwägerschaft, § 1590 BGB
    • Verwandte des Ehegatten sind mit dem anderen Ehegatten verschwägert
    • überdauert die Ehe
    • Schwippschwägerschaft: Geschwister des einen zu den Geschwistern des anderen Ehe- oder Lebenspartners sowie das Verhältnis zwischen den Ehegatten oder Partnern von Geschwistern (keine Schwägerschaft im Rechtssinne)
  • Mutterschaft, § 1591 BGB
    • die Frau, die das Kind geboren hat
  • Vaterschaft, § 1592 BGB
    • Nr. 1: verheiratet
    • Nr. 2: anerkannt (§ 1594 ff. BGB)
    • Nr. 3: gerichtliche Feststellung (§ 1600d BGB)
  • Samenspende: zulässig, wenn Empfängerin in fester Partnerschaft lebt (Spaltung von genetischer und sozialer Vaterschaft ist ohnehin nicht zu verhindern)
  • Eizellspende: strafbar nach § 1 I ESchG (Verhinderung gespaltener Mutterschaften)
  • Leihmutterschaft
  • Kenntnis der eigenen Abstammung
    • Vaterschaftsfeststellung, § 1600d I 1 BGB
    • Familieninterne Klärung, § 1598a BGB
    • Auskunft vom Arzt, § 242 BGB
  • Adoption: §§ 1741 ff. BGB (Annahme als Kind)
    • Einwilligung des Kindes (§ 1746 BGB) und der Eltern (§ 1747 BGB) und des Ehegatten (§ 1749 BGB)
    • Rechtsfolgen
      • § 1754 BGB: rechtliche Stellung eines gemeinsamen Kindes
      • § 1755 BGB: Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen
      • § 1756 BGB: Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen nur zu den Eltern, wenn Kind im zweiten oder dritten Grad mit den Annehmenden verwandt oder verschwägert

Eltern und Kinder

  • Verfassungsrechtlicher Hintergrund: Art. 6 II 1 GG: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
  • Legaldefinition in § 1626 I 1 BGB: „Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge)“

Besonderheiten

  • Ordnungsgemäße Ausübung und Grenzen der elterlichen Vertretungsmacht
  • Schenkungsverbot, § 1641 BGB
  • Genehmigungsbedürftige Rechtsgeschäfte
  • Insichgeschäft, § 181 BGB (teleologische Reduktion)

Kindeswohl, § 1697a BGB

  • Sorgerecht (Elterliche Sorge, § 1626 BGB): Entscheidungen treffen (u.a. § 1687 BGB)
    • Vertretung, § 1629 BGB
    • Ausnahme: § 1795 BGB (Ausschluss des Vormundes)
    • gerichtliche Maßnahmen: §§ 1666 ff. BGB (bei Gefährdung des Kindeswohls oder des Kindesvermögens)
    • Personensorge (z.B. Wahl einer Schule, Nachnamenrecht gem. §§ 1616 ff. BGB)
    • Vermögenssorge (z.B. Kontoeröffnung)
      • Beschränkung der Vermögenssorge, § 1638 BGB
      • genehmigungspflichtige Rechtsgeschäfte, § 1643 BGB: FamG (sonst: schwebende Unwirksamkeit)
  • Umgangsrecht (§ 1684 BGB): Kind sehen
    • Beziehungsaufbau
    • Beziehungspflege
    • bei Verletzung: Schadensersatz gem. §§ 280 I, 241 II und 823 I BGB
      • gesetzliches Schuldverhältnis zwischen Umgangsberechtigtem und Sorgeberechtigtem i.S.d. § 280 I BGB mit Nebenpflichten gem. § 241 II BGB
      • absolutes Recht i.S.v. § 823 I BGB (str.)
  • Beschränkte Haftung der Eltern, § 1664 BGB (diligentia quam in suis)

Nichteheliche Lebensgemeinschaft

  • "auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft zwischen zwei Personen verschiedenen oder des gleichen Geschlechts, die daneben keine weitere Lebensgemeinschaft gleicher Art zulässt und sich durch innere Bindungen auszeichnet, die ein gegenseitiges Einstehen der Partner füreinander begründen, also über die Beziehungen in einer reinen Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft hinausgehen.“
  • keine umfassende Anwendung der eherechtlichen Bestimmungen (Art. 6 GG, Privatautonomie der Partner, kein Eheversprechen nach § 1353 BGB)
    • kein Zugewinnausgleich
    • kein Versorgungsausgleich
    • kein Ehegattenunterhalt
  • aber: rechtliche Behandlung einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft wie eine schlichte Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft wäre eine Gleichbehandlung von wesentlich Ungleichem, Verstoß gegen Art. 3 I GG, daher:
    • begrenzter Betreuungsunterhalt, § 1615l BGB (≈ § 1570 I 1 BGB)
    • Ausgleich unbenannter Zuwendungen (≈ Zugewinnausgleich)
Ehegatten und Lebenspartner Unverheiratete Lebensgefährten
echte Geschenke §§ 527 ff. BGB §§ 527 ff. BGB
unbenannte Zuwendungen §§ 1371 ff. BGB § 313 BGB (nicht bei Zuwendungen, die nur dem täglichen Zusammenleben dienen)

§ 812 I 2 Alt. 2 BGB (scheidet aus, soweit keine Zweckvereinbarung getroffen wurde)

gemeinsamer Vermögensaufbau §§ 730 ff. BGB §§ 730 ff. BGB (setzt voraus, dass im Einzelfall ein über das bloße Zusammenleben hinausgehender gemeinsamer Zweck verfolgt wird)

FamFG

  • Zivilgerichtsbarkeit
  • freiwillige Gerichtsbarkeit
  • einvernehmliche/einverständliche Scheidung