Rechts- und Verfassungsgeschichte II

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Einführung

Funktion der Rechtsgeschichte

  • Die Rechtsgeschichte dient zur Klärung des geltenden Rechts.
  • Kenntnis des „einheimischen“ Rechts und des Rechts der Nachbarstaaten in seiner Entwicklung stärkt die Bildung.
  • Geschichte als Wesenszug menschliches Seins: Die Rechtsgeschichte gibt den Menschen im Rahmen ihrer Erkenntnismöglichkeiten Hinweise auf die Herkunft der Rechtsverhältnisse.
  • Geschichte als Element methodischen Verstehens lässt sich nur bei geschichtlicher Betrachtungsweise voll verstehen.
  • Geschichte als Grundlage der Suche nach Gerechtigkeit.
  • Historische Interpretation
    • Das historische Element hat zum Gegenstand den zur Zeit des gegebenen Gesetzes für das vorliegende Rechtsverhältnis durch Rechts- regeln bestimmten Zustand. In diesen Zustand sollte das Gesetz auf bestimmte Weise eingreifen, und diese Art des Eingreifens, das was dem Recht durch dieses Gesetz neu eingefügt worden ist, soll jenes Element zur Anschauung bringen.
    • Wille des Gesetzgebers (Wille des Parlamentes, Wille einzelner Abgeordneter)
    • Bundestags- und Bundesratsdrucksachen
    • Wille der Ministerialbürokratie

Epochen der Rechtsgeschichte

Sachliche Gliederung

  • Privatrechtsgeschichte
  • Geschichte des öffentlichen Rechts
  • Strafrechtsgeschichte

Gliederung nach der Wirkungsgeschichte des Rechtes

  • Institutionsngeschichte
  • Verfassungsgeschichte
  • Ideengeschichte
  • Wirtschafts- und Sozialgeschichte
  • Personengeschichte

Zeitliche Gliederung

  • Frühmittelalter (565/632 und 962/1066)
  • Hochmittelalter (Mitte 11. bis Mitte 13. Jahrhundert)
  • Spätmittelalter (1250-1500)
  • Frühere Neuzeit (1500-1800)
  • Neuere und Neueste Geschichte (19./20. Jahrhundert)
  • Juristische Zeitgeschichte

Verfassungsgeschichtliche Gliederung

  • Frankenreich
  • „Heiliges Römisches Reich“
  • „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ d. Deutscher Bund
  • Zweites Deutsches Reich
  • Weimarer Republik
  • Nationalsozialismus
  • Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik
  • Die Bundesrepublik Deutschland ab 1990

Rechtsquellen

  • Gegenständliche Quellen
  • Mündliche Rechtsquellen
  • schriftliche Rechtsquellen
    • Rechtsaufzeichnungen
    • Urkunden
    • Paläographie
    • Beschreibstoffe

Ziele der Rechtsgeschichte

Antikes Germanien

  • Tacitus: römischer Historiograph und Senator
  • Thing: Volksversammlungen und Gerichtsversammlungen nach germanischen Rechten (Thingstätte/Malstatt, Gerichtslinde)
  • Militärdemokratie: vorstaatliche Form der Organisation von historischen Gesellschaften, die sich im kriegerischen Dauerkonflikt mit ihren Nachbarn befanden
  • Munt/Muntgewalt: Rechtsschutz, Vormundschaft, Personenrecht des Mittelalters (Gewalt eines Muntherrn über einen spezifischen Personenkreis der Hausgemeinschaft)
  • keine Testierfreiheit in "Germanien"

Frühmittelalter

Volksrechte/Stammesrechte

  • Compositio
  • Das gerichtliche Verfahren
  • Rechtsleben: Effektivität

Merowinger und Karolinger (Frankenreich)

  • Chlodwig (466-511)
  • Hausmeier Pippin der Mittlere (635-714)
  • Karl Martell (688-741): "Retter des Abendlandes"
    • Aufteilung des Reichs: Karlmann und Pippin der Jüngere (III.)
  • Pippin der Jüngere (714-768)
    • Aufteilung des Reichs: Karl der Große (747-814) und Karlmann I. (751-771)
  • Karl der Große
    • Grenzmarken
    • Markgrafen: Verwaltung des Reiches
    • Königsherrschaft
      • Königlicher Hof (Pfalzgericht)
      • Kanzlei
    • Kaiserkrönung in Rom am 25. Dezember 800
  • "Translation Imperii"
  • Westfranken: "Frankreich"
  • Ostfranken: "Deutschland"

Regierung und Verwaltung

Rechte des Königs

  • Wahrung des öffentlichen Friedens (Königsfrieden)
  • Aufgebot und Führung des Heeres
  • Gerichtshoheit
  • Finanzhoheit (Münzrecht und Recht zur Erhebung öffentlicher Abgaben)
  • Kirchenhoheit

Königsbann

Berechtigung, unter bestimmten Verhältnissen Befehle zu erlassen und Übertretungen zu bestrafen

  • Friedensbann
  • Verordnungs- und Verwaltungsbann
  • Heerbann
  • Gerichtsbann

Hofämter

  • Kanzler
  • Kämmerer

Kapitularien

  • Kirchliche Fragen
  • Ergänzungen der Leges
  • Schutz der Witwen und Waisen
  • Konkrete Rechts- und Verwaltungsfälle

Lehenswesen

  • Vasallität
  • beneficium, später feudum (daher "Feudalismus")
  • Treuebindung
  • Schutz und Fürsorge
  • Lehnseid
  • Ämter als Lehen
  • Heerschildordnungen
  • Ministeriale

Grundherrschaft

  • Lieferung von Abgaben
  • Hof des Grundherrn (Fronhof)
  • Immunität
  • Hofgerichtsbarkeit
  • allod
  • hörige Bauern: Schollengebundenheit, Heirat nur mit Zustimmung des Herrn

Hoch- und Spätmittelalter

  • Cluny und Investiturstreit
  • Ottonen, Salier, Staufer
    • sächsische Kaiser (Ottonen) (919 – 1024)
    • salische Kaiser (Salier) (1024 - 1125)
    • Staufer (1137 - 1250)
    • Westfrankenreich entwickelt sich zu Frankreich, ab 987 regiert von den Capetingern
  • Heinrich I. (876-936)
  • Cluniazensische Reform
    • strenge Beachtung der Benediktregel
    • größte Gewissenhaftigkeit bei den täglichen Gottesdiensten
    • Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches
  • Wormser Konkordat 1122
  • „Zwei-Schwerter-Lehre“
  • Papst Bonifaz VIII. (1294-1303)
  • Ludwig der Bayer (1283-1347)
  • Babylonische Gefangenschaft der Kirche (1309-1324)
  • Goldene Bulle 1356
  • „Deutschenspiegel“ (1274/75)
  • „ius canonicum“

Reich und Kirche

Der Sachsenspiegel

  • 1220/1230

Der Schwabenspiegel

  • um 1275

Decretum Gratiani

Gliederung des Reichs nach Ständen

Lehnsrecht

Ministerialen

Bauern

Die Städte

  • städtische Selbstverwaltung
  • Verödung der Städte im Frühmittelalter
  • Städtische Gesellschaft
    • Patrizier, Adlige, Geistlichkeit
    • Mittelstand: Bäcker, Metzger, Schneider, Handwerker
    • Besitzlose
    • Juden
    • Henker, Ehrlose
  • Stadtrechten seit den 10. Jh.
    • Privatrechtsverhältnisse
    • Gegenstände des öffentlichen Rechts
    • Lübecker Stadtrecht: 1160
  • Stadtherren: Landesherr oder Bischof
  • Hanse: Niedergang der Hanse im 15. Jh.
    • - Zunft der Weber in Mainz, 1099 (Urkunde gefälscht) - Kölner Bettdeckenweber, 1149
  • Markt und Stadtrecht
  • Münzrecht
  • Stapelrecht

Gerichte

  • Hofgericht
  • Lehnsgericht
  • Grafengericht
  • Schöffenstühle
  • Kirchengerichte
  • Evokationsrecht
  • Gogerichte
  • außergerichtliche Schiedsverfahren
  • Notariatsurkunde
  • Ehesachen
  • Kirchenstrafen

Entstehung des Strafrechts

  • Entstehung eines echten öffentlichen Strafrechts seit dem Hochmittelalter
  • Pax dei (Gottesfrieden)
  • Treuga Dei: Verbot der Kriegsführung an bestimmten Tagen
  • Landfrieden
    • Landfriede von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152)
    • „Mainzer Landfriede“ (1235)
    • „Ewige Landfriede“ (1495)
  • Abschlagen der Hand bei Körperverletzung
  • Herausreißen der Zunge bei Gotteslästerung
  • Akkusation und Inquisition
  • Wo kein Kläger, da kein Richter
  • Folter

Frühe Neuzeit

  • um 1500 (Entdeckung Amerikas, Buchdruck, Renaissance, Humanismus, Reformation)
  • um 1800 (Atlantische Revolution, Französische Revolution, Beginn der Industriellen Revolution)

Wilhelm von Humboldt

  • "Musterbuch der Moderne"

Martin Luther (1483-1546)

  • Die Reformation
    • Die frühe Reformation war ganz von der Person Luthers und seiner Lehre dominiert gewesen, bevor sich konkurrierende Richtungen herausbildeten.
    • Alle diese Richtungen, von Luther bis zu den radikalen Täufern, hatten einen gemeinsamen Grundzug:
      • die Ablehnung einer Vermittlungsinstanz zwischen dem einzelnen Gläubigen und Gott
      • die Zurückweisung einer abgestuften Wirksamkeit des göttlichen Heils (Ablehnung des altkirchlichen „Gradualismus“)
  • Priestertum aller Gläubigen
  • Wormser Edikt 1521
  • Kommunalisierung der Kirche
  • „Typischer“ Ablauf der Proteste
    • öffentliches Wirken reformatorischer Prediger und die Verbreitung von Flugschriften;
    • Aufnahme der Lehren durch Teile der gemeinen Bürgerschaft;
    • Ausschreitungen und demonstrative Verstöße gegen die altkirchliche Ordnung (Gottesdienststörungen, Bilderzerstörung, Priesterhochzeiten, Laienkelch, antiklerikaler Protest etc.);
    • Auseinandersetzungen mit der Ratsobrigkeit, die sich die Forderungen entweder freiwillig zu Eigen macht oder dazu unter dem Druck von unten genötigt wird (z.T. unter Durchsetzung erweiterter zünftischer Partizipation);
    • schließlich Institutionalisierung der Reformation und Durchsetzung eines städtischen Kirchenregiments (Abschaffung der Messe, städtische Verwaltung des Kirchen- und Armenguts, Erlass städtischer Kirchen-, Zucht- und Eheordnungen etc.).
  • Forderungen zu Beginn der Reformation
    • Predigt des reinen Evangeliums
    • eigene Kirche
    • eigener Pfarrer
    • freie Pfarrerwahl
    • gebührenfreie Sakramentsspendung
    • eigene Verwaltung des Kirchenzehnten
  • Entwicklungen in den Territorien
    • Mediatisierung von Bistümern
    • Säkularisierung von Klöstern
    • Übernahme kirchlicher Funktionen wie Armenfürsorge
    • Eherecht
    • Sittenzucht
    • Hochschulen etc.
  • Augsburger Reichstag 1530
  • Schmalkaldischer Bund
  • Augsburger Religionsfriede (1555)
    • Allgemeiner Landfrieden;
    • Reichsstände, die der Augsburger Konfession anhängen, und Reichsstände katholischen Glaubens genießen wechselseitige Anerkennung, andere Glaubensrichtungen nicht;
    • Die Reichsstände haben in ihren Territorien die Kirchenhoheit (ius reformandi, spätere Formel: cuius regio eius religio), aber Untertanen anderen Glaubens dürfen auswandern (ius emigrandi);
    • Reichsstädte bleiben bikonfessionell;
    • Die bisherige Säkularisierung von Kirchengütern wird sanktioniert;
    • Die geistliche Gerichtsbarkeit gegenüber Protestanten (Ketzerrecht!) wird suspendiert.
  • Wirtschaftliche und soziale Krisenfaktoren
    • „Kleine Eiszeit“ seit den 1570er Jahren;
    • Pest und Rote Ruhr in den 1560-80er Jahren, z.B. in Nürnberg: 1561-85 fallen ca. 20.000 von ca. 45.000 Einwohnern der Epidemie zum Opfer;
    • anhaltendes Bevölkerungswachstum und Preisanstieg: Ressourcenverknappung, Besitzkonzentration, Pauperisierung;
    • Niedergang der oberdeutschen frühkapitalistischen Wirtschaftszentren;
    • erneut äußere Bedrohung durch die Türken (1593 ff.).
  • Krisensymptome
    • der Höhepunkt der Hexenfurcht und Hexenverfolgungen im Reich 1570-1630;
    • eine Serie von Bürgeraufständen gegen die Ratsoligarchie bzw. den Landesherren in norddeutschen Hansestädten sowie Frankfurt, Worms, Wetzlar, Schwäbisch Hall (alle zwischen 1590 und 1616);
    • Judenpogrome in den wenigen Reichsstädten, wo es noch größere Judengemeinden gab: Speyer 1603, Wetzlar 1609, Frankfurt/Main 1614, Worms 1615;
    • Bauernaufstände im südwestdeutschen und österreichischen Raum seit 1560er Jahren (Höhepunkt war der oberösterreichische Bauernkrieg 1626)
  • Konflikte mit konfessionspolitischem Hintergrund
    • Kölner Krieg 1583 um geistlichen Vorbehalt;
    • Aachener Händel 1582ff. um Reformationsrecht der Reichsstädte;
    • Vierklosterstreit 1590er Jahre um Rechtsprechung des Reichskammergerichts in Religionssachen;
    • Streit im Donauwörth 1606-09;
    • Jülisch-klevischer Erbfolgekrieg mit konfessionellen Implikationen 1609-1614
  • Konfessioneller Sonderbund
    • Protestantische Union 1608
    • Katholische Liga 1609

30-jähriger Krieg als „Staatsbildungskrieg“

  • Konfliktzonen im 30-jährigen Krieg
    • im Nordwesten: Niederlande;
    • im Südosten: Böhmen/Ungarn/Österreich; Türkenkrieg;
    • in Italien: Erbfolge in Mantua; habsburgisch- französisches Ringen um die Vorherrschaft schon seit 1494;
    • im Ostseeraum: Großmachtinteressen der Könige von Dänemark und Schweden, schwedisch-polnischer Krieg.
  • Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618-1623
  • Niedersächsisch-dänischer Krieg 1624-1629
  • Schwedischer Krieg 1630-1653
  • Schwedisch-französischer Krieg 1635-1648
  • Westfälischer Frieden 1648
    • Ergebnisse in Bezug auf die Konfessionsfrage sind:
    • Gleichberechtigung der drei Konfessionen;
    • Restitution der geistlichen und weltlichen Rechtsverhältnisse gemäß „Normaltag“ des 1.1.1624, d.h. es gilt die Konfessionszugehörigkeit dieses Stichtages, spätere Wechsel sind zu tolerieren;
    • Reichsstände behalten ihre Kirchenhoheit, dürfen aber andersgläubige Untertanen nicht diskriminieren, diese dürfen ihren Glauben privat ausüben.
    • Geistliche Fürsten dürfen nicht zum Protestantismus wechseln; der „geistliche Vorbehalt“ sieht vor, dass katholische Fürsten bei einem Konfessionswechsel ihr Amt als Landesherr verlieren.
    • Dies erfolgt durch eine paritätische Besetzung des Reichskammergerichts und der Ämter in bikonfessionellen Reichsstädten;
    • auf Reichstagen gilt in Religionssachen nicht das Mehrheitsprinzip, das bislang den katholischen Reichsständen einen Vorteil verschaffte, sondern ein Zwang zu „freundschaftlicher Einigung“ (amicabilis compositio) der beiden Religionsparteien.

Heiliges Römisches Reich deutscher Nationen

Staatlichkeit?

  • keine systematische schriftliche Verfassung
  • keine Rechtsgleichheit
  • kein Reichsbürgerrecht
  • kein geschlossenes Territorium mit festen Grenzen
  • keine souveräne höchste Gewalt
  • keine unabhängige Exekutive
  • kein stehendes Heer

Personen-, Rechts- und Leistungsverband

  • Stände: die im Land angesessenen Adelsfamilien, Städte, geistliche Korporationen (Domkapitel, Klöster, Stifte, auch Universitäten), manchmal auch bäuerliche Landgemeinden (v.a. in Kleinterritorien, in denen es keinen landsässigen Adel gibt)
  • Ständetage: "Reformreichstag" von Worms (1495)
  • Kaiser Maximilian I. (1459-1519)
  • Berthold von Henneberg (1441-1504)
  • Reichsabschied 1495
    • „Ewiger Reichslandfriede“: zeitlich unbefristetes, immerwährendes und unbedingtes Fehdeverbot
    • Einrichtung des Reichskammergerichts („des Kaisers und des Reichs Kammergericht") zur Sicherung dieses Landfriedens
    • Geimeiner Pfennig zur Finanzierung der Reformen
    • „Handhabung Friedens und Rechts“, ein Gesetz zur Ausführung dieser Reformen, das insbesondere die Reichstage betrifft
  • Reich
    • etwa 100 Territorialherren (Kurfürsten, Fürsten, Grafen, Herren, Prälaten, Ritter)
    • etwa 50 Reichsstädte
  • Kurien
    • Kurfürsten
    • Fürsten/Grafen/Prälaten/Herren
    • Städte
  • Reichskammergericht
    • Appellationsinstanzen
  • Reichskreise 1521

Polizei- und Landesordnungen

  • Bayerische Landesordnung von 1531
  • Lohnordnung
  • Reichspolizeiordnung von 1577
  • Reichspolizeiordnungen von 1530, 1548 und 1577

Reformabsolutismus

  • Glückseligkeit des Staates
  • more geometrico
  • Friedrich II, Regierungsformen und Herrscherpflichten (1777)
  • Kirchenpolitik: Unabhängigkeit von Rom, Abschaffung geistlicher Sonderrechte und barocker Frömmigkeitsformen, Säkularisierung von Klöstern, Zivilehe, neue Diözesangliederung in Übereinstimmung mit Landesgrenzen, staatliche Kontrolle der Kirche nach protestantischem Vorbild
  • Verbot der Wallfahrten nach Mariazell, 1783
  • Verbot von Volkskalendern mit abergläubischem Inhalt, 1754
  • Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch ("Josephinisches Gesetzbuch"), 1786
  • Gleichstellung unehelich Geborener, 1783
  • Leichenbestattung in Säcken statt in Särgen, 1783
  • Zustände in den Fabrikwaisenhäusern, 1786

Französische Revolution

  • Virginia Bill of Rights, 12. Juni 1776
  • Kennzeichen einer modernen Verfassung: nach rationalem Entwurf geschriebene, systematisch aufgebaute Verfassungen, höherrangig als Gesetzesrecht, die das Verhältnis zwischen Staatsgewalt und Bürgern als Privatleuten definiert und die Organisation der Staatsgewalt regelt (statt akkumulierten Bestandes an Herrschaftsverträgen und Gewohnheitsrecht); gesetzliche Verankerung universeller unveräußerlicher Menschenrechte; allgemeine bürgerliche Rechtsgleichheit der männlichen Eigentümer; politisches System auf der Grundlage von Volkssouveränität, Gewaltenteilung und parlamentarischer Repräsentation
  • Situation in Frankreich vor der französischen Revolution
    • eine totale staatliche Finanzkrise (Überschuldung der Krone, Offenlegung durch den Finanzminister Necker, kein Staatskredit mehr)
    • Legitimationsverlust der Staatsgewalt nach verschiedenen gescheiterten Reformexperimenten
    • gesteigerte öffentliche Kritik an der Hofgesellschaft in einer massenhaft verbreiteten Untergrundliteratur (Vorwürfe sind sexuelle Libertinage, Verschwendung, dabei religiöse Intoleranz etc.)
    • Widerstand der bürgerlich-amtsadeligen Eliten gegen Modernisierungspolitik insbes. in Justiz, Provinzverwaltung und Steuerwesen;
    • schließlich eine witterungsbedingte Hungerkrise, die die Aufstandsbereitschaft der Massen fördert.
  • La Fayette (1757-1834)
  • Erklärung der Menschenrechte, 1789
  • Dimitrijewitsch Sacharow, 1975
  • Französische Verfassung, 1791
  • Code civil, 1804
    • Freiheit des Eigentums
    • Eigentumsübertragung durch Abschluss eines obligatorischen Veräußerungsvertrages

Entstehung des Strafrechts

  • Hochgerichtsbarkeit (Leib und Leben betreffend)
  • Niedergerichtsbarkeit
  • "Carolina", peinliche Halsgerichtsordnung = Reichsgesetz von 1532
  • Constitutio Criminalis Bambergensis, 1507
  • "nulla poene sine lege"
  • Peinliche Gerichtsordnung Karls V. von 1532
  • Ernst Bloch: Lehrbuch des Sadismus
  • Anton Praetorius (1560-1613)
  • Theater des Schreckens
  • Strafarten
    • Geld- und andere Bußzahlungen (z.B. Bierstrafen)
    • kurze Haftstrafen
    • öffentliche Kirchenbußen
    • Stadtverweisung
    • Ehrenstrafen
    • Leib- und Lebensstrafen

Hexenverfolgungen

Wandel von strafwürdigen Delikten

  • Die Blasphemie als Verletzung der Ehre Gottes ist zunächst ein strafwürdiges Delikt, verwandelt sich aber im 18. Jh. unter dem Einfluss veränderter Gottesvorstellung zu einem nur mehr sozialen Delikt.
  • Der Verstoß gegen Kleidervorschriften für einzelne Stände ist bis ins 18. Jh. ein strafwürdiges „Policey“- Delikt, d.h. ein Verstoß gegen die innere Ordnung des Gemeinwesens.
  • Homosexualität („Sodomie“) wurde grundsätzlich, Ehebruch manchmal als Verletzungen der göttlichen Ordnung mit der Todesstrafe bedroht (§ 175 StGB)

Hexenverfolgungen

  • Kumulativer Hexenbegriff
  • Hexereidelikt: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, kollektiver Hexensabbat, Nachtflug (Hexerei als Ketzersekte, zugespitzt auf Frauen; einflussreich propagiert im „Hexenhammer“ 1486)
  • Hexen-Gerichtsordnung aus Sachsen-Coburg von 1629
  • Welle der Hexenverfolgungen um 1590, 1630 und 1660
  • Ursachen
    • die Entwicklung und Verbreitung einer neuen Hexenlehre und
    • Durchsetzung des weltlichen Inquisitionsprozesses mit seinen prozessrechtlichen Implikationen

Rechtsstellung von Juden

  • Judenregal
  • Antisemitisches Kinderbuch: Elvira Bauer
  • Martin Luther: Trau keinem Wolf auf wilder Heiden. Auch keinem Juden auf seine Eiden.
  • Leibzoll: Die Zollordnung des Alpenübergangs Fernstein am Fernpaß von um 1500 bestimmte: „Wenn ain Jud an fürget oder reit ... so sol er zollen als viel als ein Schwein.“
  • John Locke (1632-1704)
  • Christian Wilhelm Dohm (1751-1820)
  • Auszug des Ediktes für die Judengemeinde Wiens, 2.1.1782
  • Gemeindeleben
    • Synagoge – Rabbiner, Vorsänger, Synagogendiener
    • Lehrhaus – Schulmeister
    • Friedhof – Totengräber
    • Mikwe (Badehaus) – Badewärter
    • Schlachthaus – Schächter

Die Kodifikationen

  • Ziel der naturrechtlichen Kodifikationen: kalkulierbares System von erzwingbaren Verhaltens- und Entscheidungsregeln
    • Rechtssicherheit
    • Zentrale Konfliktsteuerung
    • Rechtsvereinheitlichung
    • Verdrängung des „Gemeinen Rechts“
  • Zwischen 1750 und 1810 entstehen vier bedeutende Kodifikationen
    • Der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756
    • Das Allgemeine Landrecht für die Preussischen Staaten von 1794
    • Der Code Civil von 1804
    • Das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch für Österreich von 1811
  • Inhalt des ALR: Einzelperson, dinglichen Rechte, Schuldverträge aller Art, Erbrechte, Ehe, Familie und Verwandtschaft, drei Stände: Bauern, Bürger und Adels, Rechtsverhältnisse der Beamten, Stellung der Kirchen, Schulrecht
  • Aufbau ABGB (1811): Personenrecht, Sachenrecht, gemeinschaftliche Bestimmungen der Personen- und Sachenrecht

19. Jahrhundert

Heiliges Römisches Reich deutscher Nation

  • Reichsdeputationshauptschluss, 1803
  • Fireden von Lunéville (1801)
  • Herrschaftssäkularisation: Sämtliche geistlichen Reichsterritorien wurden aufgelöst, also der Kern der bisherigen kaiserlichen Klientel, mit Ausnahme des Mainzer Kurfürsten und Erzkanzlers, der Aschaffenburg-Regensburg als neues Territorium erhielt. Ihre Territorien wurden als Dispositionsmasse an die großen und mittleren Reichsstände verteilt. Die Gebietsveränderungen wurden vielfach ohne jede Rücksicht auf gewachsene Verhältnisse und bisherige Ländergrenzen vorgenommen; auch viele landständischen Verfassungen hörten dadurch auf zu existieren.
  • Vermögenssäkularisation: Die Güter der Domkapitel, landsässigen Klöster und Stifter (und zwar nicht nur die in den ehemals geistlichen Territorien, sondern auch alle anderen) wurden säkularisiert und gingen in die Verfügungsmasse ein, d.h. fielen den neuen Landesherren zu (§ 34). Sie sollten zur Finanzierung von Gottesdienst, Armenfürsorge und Bildung dienen (§ 35).
  • Mediatisierungen: Die Reichsstädte wurden mediatisiert, d.h. verloren ihre Autonomie und wurden in die sie umgebenden Territorien der Reichsfürsten eingegliedert.
  • Abdankung Kaiser Franz II.

Preußische Reformen

  • Stein- und Hardenbergische Reformen
  • Bauernbefreiung: Edikt den erleichterten Besitz und den freien Gebrauch des Grundeigentums so wie die persönlichen Verhältnisse der Land-Bewohner betreffend
  • Hepp-Hepp-Krawalle, 1819
  • Frühkonstitutionelle Verfassungen

Frühkonstitutionelle Verfassungen

  • Deutscher Bund
  • Repräsentativverfassung
  • alt- und landständische Verfassungskonzeptionen
    • Verfassungsurkunde für das Großherzogtum Baden, 22. August 1818
    • Verfassungsurkunde für das Königreich Württemberg, 25. September 1819
    • Bayerische Verfassung, 1818

Vormärz als Übergangszeit

  • Karlsbader Beschlüsse, 1819
  • Universitätsgesetz: Überwachung der Hochschulen durch Regierungsbevollmächtigte, Befugnis der Regierungen, Professoren zu entlassen, Verbot ferner geheimer Studentenverbindungen und Burschenschaften
  • Pressegesetz: Einschränkung der Pressefreiheit, Vorzensur
  • Haibaches Fest, 1832: Siebenpfeiffer, Wirt, Schüler
  • Göttinger Sieben
  • Frankfurter Vorparlament, 1848
  • konstitutionelle Monarchie mit einem Erbkaisertum
  • Deutscher Bund, 1870
  • Kaiserproklamation, 1871
    • Reichsgründung als "Revolution von oben"
    • Reichstag als Vertretung des Volkes
    • Bundesrat als Vertretung der Länder
    • Kaiserreich: konstitutionelle Monarchie

Arbeits- und Sozialrecht

  • Gewerbeordnung, 1869
  • Sozialdemokratische Arbeiterpartei, 1863/69
  • Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, 1878

Strafrecht

  • Paulskirchenverfassung
  • Heinrich von Friedberg, 1813-1895
  • Unzucht zwischen Männern, § 175 Reichsstrafgesetzbuch
  • Europäisches Parlament (1994): Entschließung zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der EG

Pandektenwissenschaft, Begriffsjurisprudenz

  • Historische Rechtsschule
  • Geschichtlichkeit des Rechts Ausgangspunkt der Erkenntnis
  • Gustav Hugo und Carl von Savigny
  • Romanisten, Germanisten
  • Pandekten im 19. Jh.: Georg Friedrich Puchta, Karl Adolph von Vangerow, Georg Arnold Heise, Bernhard Windscheid, Heinrich Dernburg

Vertreter der Historischen Rechtsschule - Romanisten

  • Gustav Hugo (1764-1844)
  • Carl Friedrich von Savigny (1779-1861)
  • Friedrich Justus Thibaut (1772-1840)
  • „Volksrecht und Juristenrecht“
  • Georg Friedrich Puchta (1798-1846)
  • Karl Friedrich Eichhorn (1781-1854)
  • Jacob Grimm (1785-1863)
  • Eduard Gans (1797-1839)

Jhering – Windscheid - Giercke

  • Rudolf von Jhering (1818-1892)
  • Bernhard Windscheid (1817-1892)
  • Otto von Gierke (1841-1921): „Vater des Genossenschaftsrechts“

Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuchs

  • Johannes von Miquel (1828-1901)
  • Eduard Lasker (1829-1884)
  • Levin Goldschmidt (1829-1897)
  • Paul von Roth (1820-1892)
  • Gottlieb Planck (1824-1910)
  • 1895: Vorlage des zweiten Entwurfs zum BGB
  • 1896: Vorlage des dritten Entwurfs zum BGB
  • 1. Januar 1900: Inkrafttreten des BGB

Weimarer Zeit

  • 1. November 1918: Kieler Matrosenaufstand, Forderungen des Kieler Soldatenrats
  • Rat der Volksbeauftragten
  • Aufruf der Spartakusgruppe, 10. 11. 1918
  • sozialistischer Rätestaat oder parlamentarische Republik
  • Betty Scholem
  • Weimarer Reichsverfassung 1919
  • Reichspräsident im Licht eines „Ersatzkaisers“
  • „Hitlerputsch“ 1923
  • Ernst Bloch (1885-1977)
  • Präsidialkabinette (1930-33)
  • Carl Schmitt
  • Rechtssoziologie
    • Reichweite von Rechtsnormen
    • Erfüllen Normen ihre Funktionen
    • Chancengleichheit beim Zugang zum Recht
    • alternative, inoffizielle Konfliktlösungsmechanismen in der Gesellschaft
  • Max Weber
  • Eugen Ehrlich, 1913
  • Freirechtsschule
    • Hermann Kantorowicz (1877-1940)
    • Ernst Fuchs (1859-1929)
    • Hermann Isay (1873-1938)
  • Interessensjurisprudenz: „Methodenlehre für die praktische Rechtswissenschaft“

Weimar „als Epoche sozialer Wohnungspolitik“

  • Krisenintervention im Mietrecht
    • 1. Reichsmietengesetz von 1922
    • 2. Gesetz über Mieterschutz und Mieteinigungsämter von 1923
    • 3. Wohnungsmangelgesetz von 1923
  • Phasen der Weimarer Sozialpolitik
    • erste Phase: 1918/19 bis 1923
    • zweite Phase: 1924 bis 1929
    • dritte Phase: 1930 bis 1933
  • Verordnung über Mieteinigungsämter vom 15. Dezember 1914
    • Wohnraumbewirtschaftung
    • Mietpreisbindung
    • Kündigungsschutz
  • Befugnis der Mieteinigungsämter: Befugnis zum Eingriff in den marktwirtschaftlichen Preisbildungsprozess für die Miethöhe
  • Reichsmietengesetz vom 24. März 1922: „gesetzliche Miete“
  • Gesetz über Mieterschutz und Mieteinigungsämter vom 1. Juni 1923
  • Wohnungsmangelgesetz vom 26. Juli 1923

Kriegsopferfürsorge

1. Verordnung über die „soziale Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge“ vom 8. Februar 1919

2. „Gesetz über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienstbeschädigung (Reichsversorgungsgesetz)“ vom 12. Mai 1920

Freie Wohlfahrtspflege

„Gesetz über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienstbeschädigung (Reichsversorgungsgesetz)“ vom 12. Mai 1920

  • Rechtsanspruch auf eine Versorgung
  • Krankengeld
  • Hausgeld
  • soziale Fürsorge
  • Renten
  • Pflegezulagen
  • Berufsfürsorge
  • Beamtenschein
  • Sterbegelder

Otto Kahn-Freund

Republikschutz

  • materielles Strafrecht
  • Strafprozeßrecht
  • Vereins- und Versammlungsrecht
  • Presserecht
  • erste Republikschutzverordnung vom 29. August 1921
    • Karl Liebknecht (1871–1919)
    • Rosa Luxemburg (1870–1919)
    • Kurt Eisner (1867–1919)
    • Hugo Haase (1863–1919)
    • Karl Gareis (1883–1920)
  • zweite Republikschutzverordnung vom 28. September 1921
  • „Landeszentralbehörden“
  • Verordnung des Reichspräsidenten vom 24. Juni 1922 zum „Schutze der Republik“